Schwerpunkte

Sport

„Diese Streichung halte ich für fatal“

20.05.2014 00:00, Von Alexander Schmid — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jugend trainiert für Olympia: LSV-Präsident Schmidt-Volkmar über die Pläne des Bundes, dem Wettbewerb den Geldhahn zuzudrehen

Ab sofort 350 000 Euro weniger und im nächsten Jahr gibt’s gar nichts mehr: Die Bundespolitik hat angekündigt, den Geldhahn für „Jugend trainiert für Olympia“ und „Jugend trainiert für Paralympics“ abzudrehen. Im Interview mit unserer Zeitung warnt der Nürtinger Dieter Schmidt-Volkmar, Präsident des Landessportverbandes Baden-Württemberg, entschieden vor diesem Schritt.

Herr Schmidt-Volkmar, hat sich die Entscheidung des Bundes, die Zuschüsse für „Jugend trainiert für Olympia“ zu streichen, schon länger angedeutet, oder traf Sie die Nachricht aus heiterem Himmel?

Vonseiten des Bundes wird zwar gesagt, dass das schon länger geplant gewesen wäre. Für mich war es aber überraschend. Zudem ist diese Entscheidung für mich unglaubwürdig von der Begründung her.

Inwiefern?

Zunächst hieß es, dass durch die Einsparungen bei diesem Wettbewerb, die finanzielle Lücke bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur geschlossen werden sollte, weil sich die Landessportverbände nicht ausreichend an der Finanzierung beteiligen würden. Dann kam die Begründung, „Jugend trainiert für Olympia“ gehöre zum Breiten- und Freizeitsport und dafür seien die Länder zuständig, während der Bund den Leistungssport finanziere. Man sieht an dieser Begründungslinie: Man hat regelrecht nach einem Ausstiegsgrund gesucht.

Diese Trennung zwischen Leistungs- und Breitensport ist Ihrer Meinung nach falsch?

Die Trennung sollte man gar nicht herstellen. Wenn man von Bundesseite darauf seine Argumentation stützt, irrt man. Diejenigen, die von der Kreis-, über die Oberschullands- und Landesebene beim Finale in Berlin landen, betreiben eindeutig Leistungssport. Außerdem sind viele Bundesliga-Mannschaften in verschiedenen Sportarten durch „Jugend trainiert für Olympia“ überhaupt erst groß geworden – oder einzelne Sportler wie Franziska van Almsick und Boris Becker.

Welche Auswirkungen hat es denn konkret, wenn der Bund die Mitfinanzierung streicht?

Was auf Landesebene geschieht, wird ausschließlich von den Ländern finanziert. Es geht also nur um das Bundesfinale in Berlin. Wenn der Bund seine Mittel streicht, ist dieses Finale in Gefahr.

Und damit der Wettkampf im Ganzen?

Ich gehe davon aus, dass er dadurch im Ganzen nicht sterben würde. Aber das „Sahnehäubchen“ Berlin ist ein besonderer Anreiz und ein großes Erlebnis für alle Schüler, die sich daran beteiligen.

Ohne dieses „Sahnehäubchen“ geht es nicht?

Das Bundesfinale für sich ist natürlich nicht der Standort, um Talente zu finden. Wenn jemand in Berlin antritt und erst da als Talent gefunden wird, dann hat irgendetwas nicht gestimmt in der Talentsichtung. Berlin ist eine Belohnung für die Leistung der Athleten. Die muss sein. Im Leistungssport braucht man immer ein Ziel.

„Prinzipienreiterei ist immer ein schlechtes Argument“

„Man hat nach einem Ausstiegsgrund gesucht“: LSV-Präsident Dieter Schmidt-Volkmar beim Redaktionsbesuch.  Foto: Schmid
„Man hat nach einem Ausstiegsgrund gesucht“: LSV-Präsident Dieter Schmidt-Volkmar beim Redaktionsbesuch. Foto: Schmid

Dieter Schmidt-Volkmar


Sie möchten den gesamten Artikel lesen?


Tagespass

  • 24 Std. alle Artikel und das E-Paper lesen
  • Mit PayPal bezahlen

1,20 €

einmalig

10-Tage-Angebot

  • 10 Tage alle Artikel und das E-Paper lesen
  • Endet automatisch
  • Mit PayPal bezahlen

5,00 €

einmalig

Digitalabo

Jetzt neu - mit PayPal bezahlen!

  • Alle Artikel und das E-Paper im Abo lesen
  • jederzeit kündbar

22,50 €

pro Monat


Ich bin bereits Abonnent


Sie sehen 55% des Artikels.

Es fehlen 45%



Sport