Wendlingen

Sofort abschieben!

18.04.2017 00:00, Von Sylvia Gierlichs — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Immer diese verflixten Eidechsen. Zuerst machen sie es sich rund um die diversen Baufelder der Deutschen Bahn im Raum Wendlingen und Kirchheim gemütlich. Setzen dort Nachwuchs in die Welt, was das Zeug hält. Und rauben dadurch Bauingenieuren der Bahn den letzten Nerv. Ganz und gar blank lagen die Nerven offenbar bei einem Bürger, der anlässlich einer Infoveranstaltung der Bahn nachfragte, ob es wahr sei, dass sich in den heimischen Straßenböschungen und an den heimischen Bahndämmen nun auch noch Eidechsen aus dem Balkan breitmachen. Und ob man nun etwa nicht nur für die einheimischen Tiere, sondern auch noch für zugewanderte Eidechsen nach Ersatz-Lebensraum suchen müsse. Das wäre natürlich ein Ding. Zugewanderte Eidechsen aus dem Balkan machen sich im Schwabenland breit. Wo es schon schwer und teuer genug ist, neue Quartiere für die heimischen Arten zu finden. Kann es sich Deutschland da leisten, sich auch noch um die Unterbringung Tausender eingewanderter Exemplare zu kümmern? Eindeutig nein, möchte man meinen. Was also tun? Ausweisen? Abschieben? Kann sich die Eidechse vor ihrer Abschiebung einen Anwalt nehmen, um gegen den Ausweisungsbescheid Widerspruch einzulegen? Kommt sie etwa gar in Abschiebehaft? Und was ist mit denen, die einfach abtauchen? Sind ihre Fußabdrücke in einer Datenbank der Polizei gespeichert? Und hat schon mal jemand geprüft, ob Eidechsen Scheinehen mit einheimischen Arten eingehen? Was ist mit Kirchenasyl? Gilt das auch für Eidechsen? Fragen über Fragen, über die sich offenbar noch nie jemand den Kopf zerbrochen hat. Dabei wäre es höchste Zeit. Der baden-württembergische Landtag verkündete, man wolle sich demnächst eingehend mit dieser Frage befassen. In Bayern wird nicht lange gefackelt, von dort war zu hören, dass es bald Eidechsen-Auffanglager in Grenznähe geben soll. Österreich hat vorsichtshalber schon mal vermeldet, man wolle die Balkan-Route für Eidechsen dichtmachen. Ein irritierter Bahnmitarbeiter wandte indes ein, die Tiere seien gar nicht vom Balkan, sondern aus Italien nach Deutschland gekommen. Na gut, ähm . . . als EU-Eidechsen kann man sie natürlich schlecht ausweisen. Schließlich gilt im EU-Raum das Freizügigkeitsgesetz. Es sei denn, die Tiere sind auch in Italien nur eingewandert. Dann greift natürlich das Dublin-II-Abkommen. Sonst könnte ja jeder kommen.

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