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Mehrstöckiges Siedlungshaus in Mörikestraße abgebrochen – Suche nach neuer Nutzung

01.02.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

60 Jahre lang hat das Mehrfamilienhaus in der Oberboihinger Mörikestraße das Ortsbild mitgeprägt. Jetzt ist es abgerissen worden. Für die meisten vermutlich wenig tragisch, für diejenigen, die nach dem Krieg aus dem Osten vertrieben worden waren, war es die erste richtige Heimstatt nach ihrer Flucht und mit Erinnerungen behaftet. Doch das Gebäude war nach sechs Jahrzehnten in die Jahre gekommen, obwohl immer wieder etwas erneuert worden war. Das hat die Eigentümerin, die Siedlungsbau Neckar-Fils, dazu bewogen, eine Entscheidung zu treffen: zur Wahl stand eine Kernsanierung oder ein Abriss, dazwischen gab es nichts. Angesichts der Millionen von Flüchtlingen, die nach dem Krieg in den Westen strömten, war Wohnraum knapp und damit mussten viele Häuser möglichst schnell hochgezogen werden. Hinzu kam, dass Baumaterial so kurz nach dem Krieg knapp war. Ein nicht unwesentlicher Grund zu überlegen, ob sich die Investitionen überhaupt noch rentieren, zumal das Gebäude nicht an bevorzugter Stelle steht, eingezwängt zwischen Bahnschienen und neuer Ortsdurchfahrt sowie der Mörikestraße. So viel Charme ältere Häuser ausstrahlen können, so schnell schlägt das Schwärmen ins Gegenteil um, wenn sich die Grundrisse der circa zwölf Wohnungen noch auf dem Stand von 1953 befinden, enge Zimmerchen, ganz zu Anfang mit Bad im Keller. Schöner wohnen ist heute anders – zumal energetisch aufgerüstete und barrierefreie Gebäude nachgefragt werden. Ganz zu schweigen von den aufwendigen Elektroinstallationen und neuen Wasserleitungen, die eine Sanierung erforderlich gemacht hätten. Angesichts dieser Defizite sei eine Sanierung nicht mehr möglich gewesen. „Das Gebäude ist nicht mehr marktfähig gewesen“, so Fritz Krämer, Geschäftsführender Vorstand der Siedlungsbau in Nürtingen, auf Nachfrage unserer Zeitung. Was nach dem Abbruch des Gebäudes mit dem Grundstück passiert, das wird nach Angaben von Krämer geprüft. Für eine standortgerechte Nutzung sei einiges möglich. Das Grundstück an die Gemeinde zu verkaufen, war vom Gemeinderat abgelehnt worden. Ob letztlich ein gemischtes Objekt mit kostengünstigen Wohnungen und Geschäften den Vorzug erhält oder ganz etwas anderes, das sei offen. gki

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