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Kirchenspitze der Johanneskirche in Wendlingen ist gefallen

11.07.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Unter den Augen von zahlreichen Schaulustigen fiel gestern die markante Kirchenspitze der Johanneskirche. Schon gut zwei Stunden vorher hatte sich abgezeichnet, dass die mit schwarzem Schiefer und Glasfenstern ummantelte Spitze als Nächstes abgerissen würde. Von einem Hubsteiger aus war vorher die Schlaufe eines Stahlseils über die Spitze gestülpt worden. Schon diese Aktion hatte bei den vorübereilenden Passanten Aufmerksamkeit erregt, sodass einige mit hochgerecktem Kopf dem einmaligen Schauspiel zusahen. Unten wurde das Stahlseil dann mit dem Baggerarm verbunden. Mehrfach machte der Baggerfahrer Anstalten das Stahlseil zu spannen, doch dann wurde die Aktion immer wieder abgebrochen. Kurz vor Mittag war es dann so weit. Mit viel Getöse krachte die Kirchenspitze – wie geplant von dem, was vom Zeltdach der Johanneskirche noch übrig war – vornüber in den ehemaligen Kirchenraum, wo vorher die Kirchenbänke standen und wo jetzt der große Stahlträger von der Unterkonstruktion des Kirchendaches bereits lag. „Schade“ und „kurzer Prozess“ waren nur einige der Kommentare, die die Zuschauenden dafür fanden. Darunter befand sich auch Gerlinde Matt, die mit ihren Einkäufen auf dem Weg nach Hause war und just in dem Moment vorbeiging, als der Bagger das Seil anzog. Das Mitglied von der aufgelösten Initiative Freundeskreis der Johanneskirche verfolgte den Abbruch mit Fassung, ihre Worte dazu: „Traurig“ und „furchtbar“. – Die Rückbauarbeiten mitverfolgt hat fast täglich Wilhelm Bechtle. Bei seinen Spaziergängen sei er immer an der Johanneskirche vorbeigekommen, sagte er. Im Schatten eines Hauses beobachtete er auch gestern das, was da vor sich ging. Er habe mit anderen zusammen für den Kirchenbau in den 1960er-Jahren Geld gesammelt, erwähnte er. Er sei beim Aufbau mit dabei gewesen. Nun knapp 60 Jahre später ist er auch wieder dabei. Bei all den kontroversen und teils emotionalen Diskussionen zur Kirche habe er sich stets herausgehalten. Doch nun das Gebäude ohne Spitze zu sehen, gehe ihm schon nahe. gki/Foto: Just

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