Wendlingen

Ein Plädoyer für die Patina

07.10.2019 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Auch wenn die letzten Monate der Johanneskirche angebrochen sind – der Kirchturm soll als Reminiszenz an die Kirche bestehen bleiben. Indes, aufgeschreckt hat die Freunde der Johanneskirche, dass die Bauherren vorhaben, den Turm von seiner Patina zu befreien. Denn in den relativ großen Poren des Kalktuffs haben sich allerlei Insekten ein Zuhause eingerichtet, da sind sich Stadtrat Wilfried Schmid (FW) und Heinz Gfrör, der vor 50 Jahren als Bauleiter am Neubau der Kirche beteiligt war, sicher. Spuren von Mauerbienen und Spinnweben haben sie selbst schon entdeckt. „Reinigt man den Turm mit einem kräftigen Wasserstrahl, geht hier sicherlich eine ganze Population von Insekten verloren“, sagt Schmid. Ihn stimmt es nachdenklich, dass es in einer Zeit, in der alle Welt vom Insektensterben redet, möglicherweise wichtiger ist, eine schön gereinigte Turm-Fassade zu haben. Und sollte nicht eine Kirchengemeinde daran interessiert sein, die Schöpfung zu bewahren? „Lasst doch dem Turm seine Patina“, lautet daher der Appell von Schmid und Gfrör. Letzterer wunderte sich auch, dass in der Gemeindeversammlung immer von Muschelkalk die Rede war. „Dabei handelt es sich bei der Fassade der Johanneskirche um Kalktuff. Und zwar aus Gönningen, heute ein Stadtteil von Reutlingen.“ Auf der Alb findet man den Kalktuff an vielen öffentlichen Gebäuden. sg/Foto: Archiv

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