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Von Klimaveränderung bis zum Jagdschlösslein

11.11.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die Nürtinger Grünen waren mit dem Förster unterwegs

Förster Richard Höhn führte die Gruppe durch den Wald Foto: Wezel
Förster Richard Höhn führte die Gruppe durch den Wald Foto: Wezel

NÜRTINGEN (pm). Die Einladung zur Waldführung der Nürtinger Grünen, mit Fortsrevierleiter Richard Höhn erfuhr am Freitagmittag große Resonanz. Höhn ist nicht nur leidenschaftlicher Förster, sondern auch ein genialer Geschichtenerzähler mit hohem Unterhaltungswert.

Er führte die knapp 40 Teilnehmer tief hinein in das Herz des Nürtinger Stadtwalds. Nach kurzer Begrüßung des Sprechers des Nürtinger Ortsvereins, Jochen Braunmüller, ging es gleich hinauf zum „Jagdschlösslein Kräuterbühl“. Erbaut 1733 bis 1737 unter Herzog Karl Alexander. Überliefert ist, dass dort tolle Festlichkeiten stattgefunden haben sollen. Herzog Karl Eugen wollte gar ein herrschaftliches Jagdhaus daraus machen. Höhn erzählte überaus lebendig vom Lotterleben des Karl Eugen, der es trotz vieler Schulden und vieler Frauen, schließlich Dank Franziska von Hohenheim, vom Herrscher zum Landesvater schaffte.

Höhn sprach deutlich die Auswirkungen im Wald durch die Klimaveränderung an: „Ich wäre wohl durchs Examen gefallen wenn ich damals gesagt hätte, dass Eichen einmal Sonnenbrand bekommen könnten“. Und heute ist das Realität! Es fehle nach den Hitzesommern 2018 und 2019 schlicht und ergreifend eine Badewanne voll Wasser pro Quadratmeter. Die Klimaveränderung bringe viel Bewährtes durcheinander und viel Arbeit mit sich, deshalb müsse der Forst die Megagefahren beseitigen.

In der Abteilung Rutsch am Hülenberg, mit seinem gemischten Bestand aus 21 bis 33 Jahre alten wunderschönen Eichen, Erlen, Linden, Sahlen und Eschen, erklärte Richard Höhn, wie dort die Eisenverhüttung der Alemannen und Franken zwischen 530 bis 550 nach Christus stattfand. Und auch am Freitag brauchte man sich nur zu bücken um Schlacken der Verhüttung zu finden. Einige Teilnehmer hatten zudem eigene Kindheitserinnerungen auf Lager, wie sie dort als Kinder Bucheckern sammeln mussten.

Am Wegesrand zeigte Höhn auch den Baum des Jahres 2020, die Rubinie. „Wir sind die Generation der lichten Wälder, im Gegensatz zu dem Dunkel der früheren Jahre“, so Richard Höhn. Spannend auch seine Ausführungen zu den Waldberufen; Inzwischen gibt es immer mehr weibliche Azubis, „die bringen einen anderen Geist in den Wald“.

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