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Solidarität in der Krise

23.12.2020, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

KÖNGEN (pm). Angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Menschen in Deutschland geraten die weltweiten Folgen oft aus dem Blick. „Die Produzenten des Fairen Handels in Afrika, Asien und Lateinamerika leiden enorm unter den Auswirkungen der Corona-Krise“, sagt Gerlinde Maier-Lamparter vom Weltladen in Köngen.

Martin Lang, Fair-Handels-Berater beim Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg, DEAB, beschreibt die Situation: „Werkstätten sind geschlossen, Ware kann nicht ausgeliefert werden und Ausgangssperren verhindern, dass Mitarbeitende zur Arbeit fahren. Vor allem kleinere Organisationen stehen vor dem Ruin. Einige haben Produktionsmittel verkauft, um die notleidende Belegschaft mit Lebensmitteln unterstützen zu können. Viele Lager sind leer und die Organisationen haben keine Mittel zur Beschaffung von Rohwaren, um die Produktion wieder aufnehmen zu können.“

Bei umfassenden Lockdowns wie in Indien wurde der internationale und landesweite Verkehr eingestellt und eine weitreichende Ausgangssperre verhängt. Dies führte zu gekappten Lieferketten, heimische und globale Absatzmärkte sind für diese Länder teilweise zusammengebrochen.

„In dieser schwierigen Situation beweist der Faire Handel seine Stärke als solidarisches Wirtschaftsmodell entlang der gesamten Lieferkette“, so Maier-Lamparter. Sie berichtet, wie die Akteure des Fairen Handels zusammenwirken. Produzentenorganisationen unterstützen ihre Mitglieder auf vielfältige Weise. Bei Kiboko Leisure Wear in Nairobi, Kenia, konnten notleidende Arbeiter und Arbeiterinnen über den firmeneigenen Sozialfonds kurzfristig unterstützt werden. Es wurden Lebensmittel und Gas zum Kochen gekauft, Mieten und Überbrückungsgelder gezahlt, Kleinvieh und sogar eine Kuh zur Selbstversorgung angeschafft. Bestückt wird der Sozialfonds auch durch die Fair-Trade-Prämie, die essenzieller Teil der Preisgestaltung im Fairen Handel ist.

Auch die Fairhandels-Importeure, Lieferanten der 900 Weltläden in Deutschland, haben ihre Produzenten mit erheblicher finanzieller Nothilfe, der Aufrechterhaltung der Bestellungen und Vorauszahlungen unterstützt. Sie sind damit ein großes Risiko eingegangen, da nicht abzusehen war, ob die Weltläden in Deutschland die Waren unter den Bedingungen des Lockdowns in Deutschland verkaufen können.

Welche Bedeutung die Solidarität der Importeure für die Produzenten hat, beschreibt Swapan Kumar Das von Prokritee aus Bangladesch: „Eine wichtige Sache war auch, dass alle Bestellungen bestehen blieben. Keine wurde abgesagt während der Corona-Zeit. Wir entwickelten Kleinaufträge, die zu Hause hergestellt werden konnten. Die Handwerkerinnen waren entschlossen, die Waren bei sich zu Hause zu produzieren. Alles in allem war es kein großes Einkommen, aber es gab immerhin etwas, das sie verdienten.“ Prokritee stellt unter anderem handgefertigte Papierwaren her und arbeitet mit Frauen in ländlichen Gebieten zusammen.

Am Ende der fairen Lieferkette stehen die Weltläden. Mit viel Engagement hielten die ehrenamtlich Mitarbeitenden den Weltladen in Köngen offen. So schaffen sie einen Absatzmarkt für die Waren der Produzenten und ihrer Lieferanten. „Dank unserer treuen Kundschaft und auch einiger Neukunden sind wir ganz gut durch die Corona-Krise gekommen“, sagt Ev-Marie Lenk, die Vorsitzende des Köngener Weltladenvereins Fair handeln.

Mit der aktion #fairwertsteuer verstärkten Weltläden und Kunden bis zum Lockdown noch ihre internationale Solidarität. Dabei wurde die Mehrwertsteuer-Absenkung nicht an die Kunden weitergegeben, sondern kam über einen Fonds Fair-Handels-Produzenten im Globalen Süden zugute. Bis zum 8. Dezember haben Weltläden und Einzelpersonen 149 000 Euro für den Unterstützungsfonds aufgebracht. 125 100 Euro konnten bereits an Handwerksproduzenten des Fairen Handels, die besonders unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden, überwiesen werden.

„Für uns als Weltladen war schnell klar, dass wir uns an der aktion #fairwertsteuer beteiligen werden“, erklärt Lenk. „So können wir die Produzenten stärken, damit sie und ihre Organisationen die Krise hoffentlich gut überstehen.“

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