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Greyhound Jazzmen im Jazz-Club-Köngen

27.11.2019, Von Albrecht Nissler — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die Greyhound Jazzmen bescheren dem Publikum im Jazz-Club Köngen einen genüsslichen Abend

Die Greyhound Jazzmen featuring Lindy Huppertsberg am Bass bescherten den Jazzfans im Köngener Schloss einen Abend voller Nostalgie. Foto: Stange
Die Greyhound Jazzmen featuring Lindy Huppertsberg am Bass bescherten den Jazzfans im Köngener Schloss einen Abend voller Nostalgie. Foto: Stange

KÖNGEN. Angekündigt waren ein halbes Dutzend lockere Typen. Gekommen sind aber nur fünf davon. Sehr zur Freude des Publikums stand stattdessen Lindy Huppertsberg, die allseits bekannte Bassistin der Barrelhouse Jazzband, auf der Bühne der Schlosskapelle. Und um es gleich vorwegzunehmen: Die Greyhound Jazzmen bescherten dem Publikum bei ihrer Premiere im Jazz-Club Köngen einen kurzweiligen und genüsslichen Abend. Die Veranstaltung war wieder einmal mehr als ausverkauft. „Jazz made in Köngen“ ist unübersehbar und unüberhörbar in stetigem Aufwind.

Gleich in den Anfangstakten des Einstiegstitels „Stevedore Stomp“ von Duke Ellington ließen die Musiker keinen Zweifel daran, dass in ihrer Formation die musikalische DNA einfach stimmig ist. Ein fulminantes Tutti-Spiel, an einzelnen Stellen präzise synkopiert, Solo-Einlagen der Bläser und des Pianisten und ein Schluss mit einem dynamischen Spannungsbogen setzten Maßstäbe auf hohem Niveau.

„Wir sind keine Busfahrer aus den USA“

Walter Scherer, Greyhound Jazzmen

In einer insgesamt nicht zu weit ausschweifenden, launigen und lockeren Moderation lüftete Walter Scherer auch das Geheimnis um den Namen der Band. „Wir sind keine Busfahrer aus den USA, sondern ,grau‘ hat einfach mit unserer Haarfarbe zu tun“, sagte er in Anspielung auf die amerikanische Überland-Buslinie „Greyhound Lines“. Im nachfolgenden Titel „Lady Be Good“ konnte Manfred Schütt die ganze Bandbreite seiner Musikalität ausfahren. Seine sonore, raue und sehr adäquate Stimme verlieh dem Stück den richtigen Glanz. Auch Mimik, Gestik und Körpereinsatz rundeten seine Darbietung ab. Eine starke Bühnenpräsens durch und durch. Was ihn jedoch besonders auszeichnete, war ein chamäleonartiger Wechsel in der Klangfarbe seiner Klarinette, die er mit einem beseelten und vollmundigen tiefen Ton in Titeln wie „Petite Fleur“ bediente, dann aber auch blitzartig in höheren Tonlagen schrillere, aber glasklare Töne von sich gab. Ein wahrer Meister an seinem Instrument.

Seine Mitstreiter in der „Frontline“ Walter Scherer an der Posaune und Eric Biank an der Trompete ergänzten sich mit ihm hervorragend in Kollektivimprovisationen in Stücken wie „Won’t You Come Home“ oder „Sweet Georgia Brown“. Der letztere sang sich mit seiner Satchmo-Imitation von „Hello Dolly“ in die Herzen der Zuhörer und ließ in seinem Trompetenspiel soundmäßige Flexibilität, saubere Intonation und gelegentliches „Dirty Play“ durchblitzen.

Walter Scherer präsentierte die gespielten Titel überzeugend, energiegeladen, markant, in tonreiner Ausgestaltung und mit voller Hingabe. Die rustikalen Klänge in den alten Gemäuern erfuhren eine willkommene Abwechslung durch den Pianisten Stefan Veit, der nie Langeweile aufkommen ließ und in seinen Solodarbietungen Glanzpunkte setzte. Sein insgesamt oft kraftvolles Klavierspiel bestach aber auch durch Passagen mit gefühlvollen „Fill ins“, rasanten Läufen, meist abwärts gerichtet oder durch interessante „Voicings“. In „I Can’t Give You Anything But Love“ blieb in seiner Spielweise eine Affinität zur Rock-Musik nicht verborgen.

„Lady Bass“ Lindy Huppertsberg begleitete ihre männlichen Mitspieler mit angestammter Routine und Professionalität. Wunderbar auch ihr Gesangsbeitrag in „On The Sunny Side Of The Street“, in dem sie ganz überraschend eine Scat-Passage mit einem Bassmotiv synchronisierte. „You Are My Sunshine“ gab ihr den Freiraum, sich in den Vordergrund zu spielen und im Rollentausch die Melodie zu übernehmen.

Karl-Hermann Geiger am Schlagzeug legte das rhythmische Fundament für alle Aktionen. Gekonnt und wohldifferenziert bediente er Becken und Trommeln, zwängte sich nie auf, sondern hielt eher unauffällig die Fäden fest in der Hand. Ein Abend voll Nostalgie mit Dixie, Swing und Blues klang langsam aus, als sich Band und Publikum im Wechselgesang voneinander verabschiedeten.

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