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Ein Hauch von Camping beim Abendessen

17.12.2020, Von Thomas Krytzner — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Camper kommen mit ihren Wohnmobilen zum Essen nach Kirchheim ins Restaurant Stall im Württembergischen Hof

Gediegenes Wohnmobildinner: Antje Fydrich, Peter Ruhrmann und Jule genießen ihr Abendessen und unterstützen damit die regionale Gastronomie. Foto: Thomas Krytzner
Gediegenes Wohnmobildinner: Antje Fydrich, Peter Ruhrmann und Jule genießen ihr Abendessen und unterstützen damit die regionale Gastronomie. Foto: Thomas Krytzner

KIRCHHEIM. Die Idee vom „Wohnmobil-Dinner“ ist so simpel wie genial. „Wir hätten schon vor Wochen darauf kommen können“, sagt Martina Banzhaf vom Restaurant Stall. Ein Mitarbeiter weilte kürzlich am Bodensee und hat dort bei einem Restaurant viele beleuchtete Wohnmobile gesehen. „Als er mir davon erzählte, war ich Feuer und Flamme für diese Alternative und bewarb dies in den sozialen Medien.“ Positive Rückmeldungen kamen rasch und ließen Martina Banzhaf neuen Mut in der Krise schöpfen. „Bereits am ersten Wochenende hatten wir mehrere Camper mit ihren Wohnmobilen zu Gast.“ Es sind keine durchreisenden Urlauber, die das Wohnmobil-Dinner in Anspruch nehmen, sondern Familien aus der näheren Umgebung.

Markus Pazer aus Unterensingen fuhr mit seiner Frau Ute und den Töchtern Valerie und Muriel samt Wohnmobil vor und die Familie hatte sogar noch was zu feiern: „Wir haben den 22. Hochzeitstag. In diesem Jahr feiern wir ihn zum ersten Mal im Wohnmobil.“ Dabei wäre das Hochzeitsdinner fast noch kurzfristig abgeblasen worden. „Beim Wintertest ist die Heizung im Wohnmobil ausgefallen, aber zum Glück konnten wir den Strom vom Restaurant anzapfen.“ Die Familie ist von der Idee begeistert, auswärts im eigenen Fahrzeug zu essen. „Wir finden das Angebot witzig und wollen die Gastronomie unterstützen.“ Normalerweise sind die vier Unterensinger oft und gerne mit dem Wohnmobil unterwegs, aber „die Stellplätze sind ja alle gesperrt.“

Dann taucht auch schon Martina Banzhaf auf, bringt Kerze, Blümchen und Speisekarte vorbei und nimmt schon mal die Getränkebestellung auf. „Die mobilen Gäste sollen sich wie beim Besuch im Restaurant fühlen.“ Zu Beginn der neuen Aktion haben die Servicemitarbeiter noch alle Speisen umständlich in Styroporkisten serviert. „Jetzt nutzen wir Cloches, sogenannte Speiseglocken für die Teller. Damit läuft das Servieren einfacher und es sieht auch noch gediegener aus“, erklärt Martina Banzhaf.

In Weilheim bietet die Pizzeria Dolce Vita das Wohnmobil-Dinner auch an. Der Ablauf bei beiden Restaurants ist der gleiche. Weil es beim Restaurant in Weilheim einen großen Parkplatz gibt, brauchen die Gäste dort nicht vorher anzurufen. Sie fahren einfach auf den Parkplatz und bestellen telefonisch oder per WhatsApp ihr Essen.

„Bei uns sollten die Camper vorher anrufen, da der freie Platz zum Parken beschränkt ist“, erläutert Martina Banzhaf. Die telefonische Anmeldung hat auch den Vorteil, dass sich Koch und Servicepersonal auf die Anzahl der Gäste einstellen können. „Der Straßenverkauf war während des ersten Lockdowns eine neue Herausforderung, weil wir das Essen auf die Minute genau fertig haben mussten.“ Es habe rund drei Tage gedauert, bis sich das Restaurantpersonal an den neuen Rhythmus gewöhnt habe, erinnern sich Martina Banzhaf und Ute Hof vom Hotel Württembergischer Hof.

Erleichtert berichtet die Wirtin von der Freude der Gäste, im eigenen Wohnmobil direkt beim Restaurant essen zu können. Dies bestätigen auch Antje Fydrich, Peter Ruhrmann und Tochter Jule, die extra aus Stuttgart-Vaihingen mit ihrem Transporter angereist sind: „Wir wollten einfach mal wieder auswärts essen gehen und da war die Begeisterung groß, als wir vom Angebot in Kirchheim erfuhren“, freut sich Peter Fuhrmann. Antje Fydrich ergänzt: „In der Stuttgarter Ecke haben wir ein solches Event nicht gefunden.“ Kalt wird es den drei Gästen auch bei klirrender Kälte nicht. „Wir haben Standheizung, und so bleibt es im Transporter beim Dinieren wohlig warm.“ Der Ausflug war ein Highlight.

Das Restaurant Stall hielt an der Speisekarte „to go“ aus dem ersten Lockdown im April fest, wie Martina Banzhaf bestätigt. „Schnitzel oder Cordon bleu mit Pommes sind die meistbestellten Gerichte, und die Gäste lassen sich auch gerne einen Nachtisch schmecken.“

Der zweite Lockdown hat für die Gastronomie weitreichende Folgen. „Im Gegensatz zum ersten Stillstand wurden bisher viel weniger Gerichte telefonisch bestellt und abgeholt. Dies können wir aber jetzt zum Glück mit dem Wohnmobil-Dinner kompensieren.“ Und das Angebot bleibt trotz verschärfter Regeln bestehen, allerdings ist ab 20 Uhr Feierabend. Der Lieferservice des Kirchheimer Restaurants dürfte nun noch mehr nachgefragt werden.

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