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Über das Beten

12.01.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jesus hat regelmäßig gebetet, frühmorgens, oft alleine, manchmal zusammen mit seinen engsten Weggefährten. Und gerne auf einem Berg. Mit den Worten der Tradition, dem jüdischen Gebetbuch des Psalters, und mit eigenen. In Zeiten des Glücks wie in der Stunde seines Todes. Als Beter wusste er um den Missbrauch des Gebets zur frommen Selbstdarstellung: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, . . . die beten, damit sie von den Leuten gesehen werden“. Und er kannte die Gefährdung des Betens, aus Gott einen Pascha zu machen, dem man schmeicheln, oder einen Politiker, den man mit Lobbyarbeit unter Druck setzen muss, um seinen eigenen Willen durchzusetzen: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.“

Markus Lautenschlager,
Markus Lautenschlager,

Das Gebet, das er seinen Jüngern gab, ist ein Muster an Gottvertrauen, Zucht und Kürze. Zuerst dreimal Gott: sein Name, sein Reich, sein Wille. Und erst dann – dann aber auch wirklich – dreimal unsere Bedürfnisse, unser tägliches Brot, die Vergebung unserer Schuld, unsere Erlösung von dem Bösen. „Erst kommt das Fressen und dann die Moral“, hat der Materialist und Bibelleser Bert Brecht diese Reihenfolge von Brot und Vergebung pointiert erfasst. Und alles umfangen vom Vertrauen der Kinder zu ihrem Vater im Himmel und der Solidarität der Geschöpfe untereinander. Nicht nur mein, sondern unser Brot, und nicht nur meine, sondern die Erlösung aller vom Bösen erbitten wir im Vaterunser.


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