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So kommen die Gespenster ins Buch

21.03.2019, Von Andreas Warausch — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bei der Kinderpressekonferenz mit der Autorin Astrid Nagel hatten 39 Oberboihinger Viertklässler gestern viel Spaß

Wie entsteht eigentlich ein Buch? Diese Frage hat sich bestimmt so manche Leseratte schon gestellt. Die Jugend- und Kinderbuchautorin Astrid Nagel gewährte gestern bei einer Kinderpressekonferenz in unserem Stadtbüro am Obertor 39 Oberboihinger Grundschülern Einblick in ihre Schreibwerkstatt. Sie hatte als Überraschungsgast die Illustratorin Annette Kara dabei.

Begeisterten die Schüler: Astrid Nagel (links) und Annette Kara. Fotos: Holzwarth
Begeisterten die Schüler: Astrid Nagel (links) und Annette Kara. Fotos: Holzwarth

NÜRTINGEN. Seit 21 Jahren schreibt die in Hardt lebende Autorin Astrid Nagel spannende und fantasievolle Geschichten für junge Leser. Doch sie schreibt nicht nur Bücher. Ihre Bücher werden zu Theaterszenen umgestaltet. Zum Beispiel für die Hector-Akademie. Überhaupt ist sie mit ihren Geschichten auch unterwegs an Schulen. Landauf, landab. Nicht nur im Süden, auch im Osten der Republik. Und das merkt man ihr auch an.

Die Oberboihinger Viertklässler waren ausgesprochen eifrig bei der Sache.
Die Oberboihinger Viertklässler waren ausgesprochen eifrig bei der Sache.

Denn die Schüler der Klassen 4a und 4b der Oberboihinger Kirchrainschule folgen ihr begeistert und konzentriert. Und das über zwei Stunden lang. Wobei: Wenn es nach den jungen Nachwuchsreportern gegangen wäre, hätte die abschließende Fragerunde wohl bis in den Abend dauern können. Kompliment für die Viertklässler und ihre Lehrerinnen!

Natürlich war es keine Kinderpressekonferenz im klassischen Sinne. Mit Frage-und-Antwort-Spiel, mit Moderator. Es war eher ein Workshop. Immer wieder bezieht Astrid Nagel die neugierigen Kinder ein, stellt ihnen Fragen, lässt ihren Fragen und vielen, vielen tollen und kreativen Ideen großen Raum.

Freilich hat Astrid Nagel den Kindern erst einmal viel von sich erzählt. Dass sie in Unterboihingen zur Schule ging. Und später Informatik studierte. „Das hat was mit Computern zu tun“, weiß ein Viertklässler. Worauf Astrid Nagel von einer Computerzeit erzählt, in der es keine Handys oder Internet gab. Aber Computerspiele gab’s schon. Und so ließ sie damals in der M-A-C-Reihe ihre Hauptdarsteller in einem Computerspiel verschwinden und entsprechende Abenteuer erleben. Viele weitere Bücher folgten, berichtet sie. Und gerade liegt in ihrer Schreibwerkstatt eben der dritte Band ihrer Nico-Reihe, an dessen Entstehung sie die Oberboihinger Mini-Reporter teilhaben lässt. Ein Winter- und ein Sommerbuch mit Held Nico hat sie schon vorgelegt. Jetzt wird im September das Herbst-Buch erscheinen.

„Was fällt euch zu Herbst ein?“, will Astrid Nagel da ironisch-bezeichnend am sonnig-kalten Frühlingsanfang wissen. Bunte Blätter. Regen. Drachen steigen lassen. Ferien mit Abenteuern. Und natürlich Halloween. Da hatte sie dieselbe Idee wie die Schüler – und machte daraus eine spannende Geistergeschichte, mit Vampiren, Gespenstern, alten Gemäuern, allerhand übersinnlichen Geschehnissen.

„Das ist das Manuskript für das Buch. Das haben erst drei Menschen gelesen“, sagt Astrid Nagel. Da werden die Augen der Kinder immer größer. Und: „Ihr erfahrt also von einer Geschichte, die fast noch keiner kennt.“ Die Kinder hängen ihr da förmlich an den Lippen, als sie ihnen von Nicos erster Begegnung mit einem waschechten Gespenst vorliest. Was muss ein Geist können, fragt die Autorin. Und die Kinder reihen Eigenschaft an Eigenschaft: Fliegen, durch Wände gehen – und natürlich den Menschen Angst machen.

Und wie sieht ein Geist aus? Auch hier haben die Kinder viele, viele detaillierte Ideen. Aber das ist auch die Stelle, an der sie ihren Überraschungsgast ins Spiel bringt: Annette Kara ist Illustratorin. Sie ist für die Bilder in Astrid Nagels Büchern zuständig. Nicht nur sie, sondern ihr Mann und auch ihre zwei Kinder malen, zeichnen. Daheim stapelt sich das Papier. Schon immer wollte sie Illustratorin werden. Sie hat’s geschafft. Und kann stolze Arbeitsproben vorlegen. Unter anderem arbeitet sie für den Kosmos-Verlag. Spiele wie die Junior-Versionen der „Siedler von Catan“ oder „Ubongo“ hat sie unter anderem entworfen.

„Astrid erzählt Geschichten mit Wörtern, ich erzähle Geschichten mit Bildern“, erklärt Annette Kara, deren Künstlername Anoka ist. Das ist auch ein Erfolgsrezept. Die 39-Jährige hält sich schon an Astrid Nagels Geschichte. Aber manchmal fügt sie ein Detail hinzu. Und dann wird darüber diskutiert.

Wie zum Beispiel über das Mikrofon des schrillen Sängers der Geister-Band, die bei der Mitternachtsparty spielt. Die beiden Künstlerinnen zeigten den Schülern via Beamer auf einer Leinwand, wie das Bild aus einer Kritzel-Skizze entstand. Die Kinder hatten viele Alternativ-Ideen für die Illustratorin: Statt eines richtigen Mikrofons könnte der Geist auch einen Trichter, eine Gießkanne oder einen alten Auspuff verwenden. Am Ende der Beratung stellt Annette Kara fest: „Ich ändere das Mikrofon auf jeden Fall.“

Am Ende des spannenden Vormittags im Rahmen von „Zeitung in der Grundschule“ spielte Astrid Nagel mit den Schülern dann noch den ganzen weiteren Weg eines Buchs durch. Nach dem Schreiben und der Illustration folgen das Lektorat, der Satz, der Druck, die Bindung. Ungemein interessiert und informiert zeigten sich die Schüler, als es um die Rechte ging, die ein Autor an seinen Büchern hat. Zum Beispiel, wenn – wie bei Astrid Nagel kürzlich geschehen – eine Filmgesellschaft anklopft wegen der Rechte für eine Verfilmung.

Da waren sich dann die Schüler, die Autorin und die Illustratorin einig: Wenn das klappt, gehen alle zusammen ins Kino. Davor aber gibt’s im Herbst das fertige Buch. Erst dann wissen die Kinder, wie die Geschichte um Nico und sein gespenstisch verloren gegangenes Spiegelbild ausgeht. Auch wenn sie da so ihre eigenen Ideen hatten.

www.astridnagel.de und www.anoka.de

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