Nürtingen

Zum Heurigen

24.08.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) „Ausgschdeckt is’“ heißt es jedes Jahr, wenn der „Heurige“ trinkfertig ist, in so ziemlich jedem österreichischen Weinort. „Ausgschdeckt“, weil der Weinhauer mit einem vor sein Lokal gesteckten Föhrenstrauß anzeigt, dass er sich für die nächsten Wochen auf ein vor 225 Jahren vom deutschen Kaiser Joseph II. erlassenes Gesetz beruft, wonach es jedem seiner Untertanen erlaubt sei, selbst produzierte Lebensmittel, Wein, Schnaps oder Obstmost zu verkaufen oder auszuschenken, ohne dass hierfür eine besondere Schankerlaubnis oder Konzession nötig sei. Wie solche sich großer Beliebtheit erfreuender Gaststuben bei uns als Besenwirtschaften bezeichnet werden, so heißen sie in Österreich dem äußeren Kennzeichen nach Buschenschenken oder Straußenwirtschaft. In Wien hat sich daraus ein ganzer Zweig der Tourismus-Industrie entwickelt. Ganze Viertel scheinen fast nur aus solchen temporären Gastronomiebetrieben zu bestehen. Schaut man aber genau hin, dann ist so mancher „Heurige“ in Grinzing, Sievering oder Nußdorf das ganze Jahr über offen und im Besitz einer stinknormalen Schankerlaubnis und der Konzession, ein Restaurant zu betreiben. Man reitet dort einfach auf dem Ticket der dörflichen Romantik, dem Gefühl außerhalb der Großstadt einen Ausflug in die gute alte Zeit machen zu dürfen, dazu ein uriges Beuscherl zu verzehren und sich ordentlich einen „Heurigen“ draufzugießen. Der „Heurige“, das ist eigentlich der Wein von diesem, dem „heurigen“ Jahr, der noch im Glase und am nächsten Morgen, wenn man nicht aufpasst, in Hirn und Magen braust. Aber das muss man zumindest den Schwaben unter unseren Lesern nicht lange erklären. Schließlich ist der „Heurige“ nichts andere als unser „Nuier Wei’“.

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