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Wadenstreifen

15.02.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wadenstreifen

Es gibt Legenden, die eigentlich zu schade sind, sie von der Wahrheit entzaubern zu lassen. Dazu gehört, dass der Erfinder der Kunstfaser Nylon, einem Polyamidstoff, angesichts der neuen Faser ausgerufen haben soll: Now, you lousy old Nipponese! (Da hast du es, du lausige alte Japanerin!). Damit habe er, wird kolportiert, die japanische Naturseide gemeint, der er mit seiner Erfindung wirtschaftlich erfolgreich auf die Pelle rücken zu können hoffte. Zudem ergeben die Anfangsbuchstaben der Worte des englisch zitierten Satzes aneinandergefügt das Kunstwort Nylon. Eigentlich sollte man meinen, dass seither der Tag, an dem das Nylon in die Welt kam, von allen Frauen der Welt als Feiertag zelebriert wird und Wallace Hume Carothers der Säulenheilige der Mode wäre. Ist er aber nicht. Trotzdem malten in klammen Zeiten nicht wenige Damen sich einen dunkelbraunen oder schwarzen Streifen (Naht!) auf die nackte Haut ihrer unbestrumpften Waden, um damit den Anschein zu wecken, sie trügen Nylons. Die aber hatten inzwischen Karriere gemacht als Tauschwährung auf den Schwarzmärkten dieser Welt. Dafür prädestinierten sie zwei wichtige Eigenschaften: Wie auf Zigaretten auch, waren viele scharf darauf und sie konnten sich ganz klein machen, viel kleiner noch als Glimmstengel. Aber ach, leider war der Entdecker ein wenig depressiv und nahm sich wenige Wochen, nachdem er seine Erfindung für seinen Arbeitgeber hatte patentieren lassen, das Leben und auch die Mär von der Namensschöpfung hielt nicht lange vor: Ein Firmensprecher stellte später richtig, dass Nylon das Ergebnis eines längeren Feilens an einer Bezeichnung war, die einer zu erwartenden wettbewerbsrechtlichen Prüfung standhalten würde. Der Stoff wurde mit Amerikas Eintritt in den Zweiten Weltkrieg als Fallschirmseide kriegswichtig und die Welt noch ein Stückchen kälter. heb


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