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Nürtingen

Vor 2550 Jahren

15.01.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

„Zizine, pack mei Sach,i muaß zu rer Beerdigong.“ Nürti hatte soeben von den Luftgeistern, die seinerzeit für die Nachrichtenübermittlung zuständig waren, erfahren, dass in Sardes sein alter Kumpel Krösus, genannt „der Reiche“, am Schluckauf verstorben war. So machte sich der Nürtinger Häuptling an einem schönen Frühlingstag des Jahres 541 vor unserer Zeitrechnung auf nach Kleinasien, um seinem ehemaligen Mitschüler das letzte Geleit zu geben. Kennen gelernt hatten sich die beiden bei einem Kursus „Wie vermeide ich Ertragssteuern“, veranstaltet von den Vorgängern der Banken, den Göttern Babylons. Krösus hörte damals aufmerksam zu und brachte das Gelernte später erfolgreich zur Anwendung, indem er den Umkehrschluss zog. Er wurde unermesslich reich, indem er sämtliche Schliche, mit denen die ihm zu Tributen verpflichteten Städte selbige zu hinterziehen versuchten, aufdeckte und kassierte. Nürti dagegen hatte sich zusammen mit dem Raufbold Kyros eher auf gemeinsame ausgiebige Besuche der Weinstuben vor Ort verlegt, da ihm die göttlichen Dozenten sowieso allesamt ein bisschen windig erschienen. Außerdem hatten die ihm erklärt, dass er auf dem völlig falschen Kurs sei, da sich mit der in seiner Heimat üblichen Erbteilung sowieso kein über das Von-der-Hand-in-den-Mund-Prinzip hinausgehender Ertrag erzielen ließe (Bosch und Daimler waren damals völlig unbekannt). Also blieb ihm nichts, als sein Stipendium zu verjubeln, wie es auch der persische Prolet Kyros tat. Der holte sich aber im Gegensatz zu unserem Schwaben in den Folgejahren ein Ländle nach dem anderen, bis er ein Weltreich zusammengestoppelt hatte. Der „G’waltsack“ Nürti dagegen brachte damals ein paar neue Tricks mit, wie man Bändermuster in die Lehmknäuel hineinritzen konnte, die später zu Töpfen und Urnen gebrannt wurden. Der Ausflug in den Kapitalismus verbuchte er unter: „Außer Spesen nichts gewesen!“ In Gold und Silber badeten andere, zum Beispiel sein alter Kumpel Krösus, der nun dalag in seinem letzten lydischen Hemd, ganz ohne Taschen. heb


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