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Nürtingen

Vater des Struwwelpeter

13.06.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Vater des Struwwelpeter

Heulalius von Heulenburg, Reimerich Kinderlieb, Peter Struwwel, Polycarpus Gastfenger: Sie alle feiern heute (virtuell) Geburtstag. Allesamt sind sie nämlich Pseudonyme des Heinrich Hoffmann, der am 13. Juni 1809 in Frankfurt am Main das Licht der Welt erblickte. Sein Vater, der städtische Bauinspektor dort, konnte noch nicht ahnen, welch bedeutendem Sohn er damals das Leben schenkte: Im Alter von 42 Jahren wurde der nämlich in seiner Heimatstadt Direktor der Anstalt für Irre und Epileptische und revolutionierte die Behandlungsmethoden derart, dass er heutzutage durchaus als erster Vertreter der Jugendpsychiatrie geachtet wird. Allerdings geht man mit manchen seiner Theorien heute eher zurückhaltend um. Wenn man das Werk, wegen dem er noch heute unvergessen ist, durchliest, kann man auch ahnen, warum: der Struwwelpeter will Wohlverhalten von Kindern nicht zuletzt dadurch herbeiführen, dass man ihnen droht und Angst macht. Dem bitterbösen Friederich, einem Tierquäler, beißt ein Hund in das Bein (recht tief, bis in das Blut hinein), Paulinchen, eine Zündlerin, die von den Katzen gewarnt wird (Sie drohen mit den Pfoten, die Mutter hats verboten!) verbrennt, der ungehorsame Daumenlutscher Konrad bekommt die Finger abgeschnitten, der dünne Suppenkaspar (der erste bekannte Magersüchtige) verhungert. Am mildesten ergeht es noch dem Zappelphilipp, der mit seinem ADHS nur unter dem Tisch landet, und den rassistischen Buben, die den schwarzen Zeitgenossen verspotten und dafür vom Nikolaus ins Tintenfass getaucht werden. Ob alldem darf man indes Hoffmanns Verdienste um die Demokratie nicht vergessen der Burschenschaftler gehörte (wie der Nürtinger Theodor Eisenlohr) dem Revolutionsparlament in der Frankfurter Paulskirche an. jg


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