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Nürtingen

Unter Strom

18.09.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Endlich ist Frauchen fertig. Jetzt geht’s aber so was von Gassi. Da vorne ist auch schon die Lieblingsecke. Jetzt nur noch das Beinchen gehoben und los geht’s. Doch statt der erhofften Erleichterung ein stechender Schmerz, ein schmerzverzerrtes Aufjaulen, ein krampfartiges Zucken des Dackelkörpers, und alle Rettungsversuche der erschrockenen Besitzerin des Dackels Waldi kommen zu spät, ja fast wäre sie selbst noch an saftigen 220 Volt hängen geblieben, die der Draht, den der Nachbar durch das Grenzgestrüpp seines Grundstücks gelegt hat, führt.

Der Nachbar hatte sich nämlich über täglich anfallende Hinterlassenschaften mehrerer in der Umgebung angesiedelter Vierbeiner geärgert und sich entschlossen, ein Zeichen zu setzen. Anzunehmen ist, dass der Herr dem Waldi gegenüber nicht ganz dieselben Gefühle hegt, wie das dessen Frauchen tut, die sich zur Rettung ihres tierischen Hausgenossen in genau dieselbe Gefahr begab, die diesen bereits das Leben gekostet hatte. Und genau darin sah das zuständige Gericht eine Gefängnisstrafe für den Gartenbesitzer ausreichend begründet. Mit seiner heimtückischen Aktion, gewisse Häufchen und Bächlein von seinem Grundstück dadurch fernzuhalten, dass den vermeintlichen Übeltätern mittels eines versteckten stromführenden Drahtes sozusagen „in flagranti“ der finale (Strom-)Stoß versetzt würde, habe er, Frauchens Beispiel beweise dies, auch eine Gefahr für Leib und Leben von Menschen billigend in Kauf genommen. Zudem, so das Gericht weiter, habe die Verschmutzung seines Gartens durch „Hundedreck“ diesen nicht „ernsthaft beschädigt“, sodass die Tötung des Hundes dadurch nicht zu rechtfertigen sei. Allenfalls hätte ihm das Recht zugestanden, von der Hundehalterin eine schriftliche Unterlassungserklärung zu verlangen, die ihm bei einer Zuwiderhandlung einen Schadensersatzanspruch erwirkt hätte.


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