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Unten ohne

14.01.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(bg) In der Pubertät wächst an Buben einfach alles. Auch der Kehlkopf. Das bedeutet, dass der Junge vom Sopran im Knabenchor in den Männergesangverein wechseln muss. Zu schade, dachte man sich noch bis ins vorletzte Jahrhundert und griff ein. Der Eingriff bestand darin, die Hoden zu entfernen und fertig war der Kastratensänger. Bereits in der Spätantike wurde damit begonnen, Sanges-Eunuchen zu erzeugen. Überlebte der Junge die Operation, bedeutete das noch lange keine Karriere als gefeierter Opernstar. Schließlich konnte man nicht absehen, wie sich das Sangestalent weiterentwickelt. Wer nicht an der Oper landete, verdingte sich in Chören oder bei Gauklertruppen. An ein bürgerliches Leben war mit dem Makel nicht mehr zu denken.

Kein Wunder, dass die Knaben, denen dieses harte Schicksal widerfuhr, nicht aus den besseren Familien kamen. Dort lauschte man zwar gerne den Gesängen, die eigenen Söhne hätte man aber niemals dieser barbarischen Prozedur unterzogen. Die Buben wurden ihren bitterarmen Eltern einfach abgekauft und an Konservatorien untergebracht, die aus Verwahranstalten für verwaiste oder verstoßene Kinder hervorgegangen waren. Obwohl im Christentum die Kastration generell abgelehnt wurde, schätzten vor allem die Fürstbischöfe die schönen Stimmen.


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