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Traumhafter Erfinder

26.09.2014 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(aw) Dass die Schwaben findige Geister sind, weiß jedes Kind. Einer der ihren hat das Auto erfunden. Ja. Wer aber der Traumfabrik in Hollywood einen Besuch abstattet, rechnet nicht unbedingt damit, auf gaaaaanz tiefe und große Spuren eines nur körperlich kleinen Mannes aus dem oberschwäbischen Städtchen Laupheim zu stoßen. Karl Lämmle aber, oder amerikanisiert eben Carl Laemmle, gilt als der Erfinder der Traumfabrik Hollywood. Aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie mit zwölf Kindern stammend, machte er sein Glück in Übersee. Als Buchhalter eines Textilunternehmens schien er schon am Ziel seiner Träume. Dann marschierte er 1906 in Chicago an einem sogenannten Nickelodeon vorbei – einem Kino, in dem man für einen Nickel, also für fünf Cents, Filme gucken konnte. Laemmle war begeistert – der Rest ist Legende. Er gründete sein eigenes Filmtheater, drehte bald eigene Filme, womit er sich erfolgreich gegen die Film-Mafia auflehnte – und kaufte 1912 im mit drehfreundlichem Wetter und billigeren Löhnen lockenden Kalifornien eine Hühnerfarm. Daraus machte er die Universal City. Heute noch trifft man dort die Universal Studios an – und auch den gleichnamigen Themenpark, in dem man gegen viele, viele Dollars als Tourist einen tollen Tag verbringen kann. Laemmle war auch da schon seiner Zeit weit voraus. Er bot nämlich damals schon Studiotouren an. Die kosteten nur einen traumhaften Nickel, und dafür gab’s, ganz schwäbisch auf einer Hühnerfarm, auch noch ein Göckelesvesper. Traumfabrik zu traumhaften Preisen – ein Traum. Aber Laemmle war auch sonst ein guter Kerl. Für seine deutsche Heimatstadt wurde er zum Wohltäter. Und er rettete über 300 jüdische Familien, denen er mit Bürgschaften die Flucht vor dem Naziterror in die Staaten ermöglichte. Ein traumhafter Erfinder eben dieser Schwabe, der gestern vor 75 Jahren starb.

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