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Sklavenkasse

06.05.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(psa) Wenn heute afrikanische Piraten am Horn von Afrika ihr Unwesen treiben, vertrauen Reedereien auf den Schutz der Marine, um Ware, Schiffe und Besatzungen heil durch die gefährlichen Gewässer zu geleiten. Im Zeitalter von Radar und GPS kann man sich kaum vorstellen, dass im 17. Jahrhundert die Seeräuberei auch im Mittelmeer weit verbreitet war. Die Handelsschiffe der Hansestädte Hamburg und Lübeck wurden dort regelmäßig aufgebracht. Wer diese Überfälle überlebte, wurde in die Sklaverei verschleppt.

Wenn heute ein Frachter in die Hände somalischer Piraten fällt, verlangen die ein hohes Lösegeld. Das war vor gut 400 Jahren nicht anders: Mit dem nötigen Kleingeld kam ein Seemann, egal ob Matrose oder Kapitän, wieder auf freien Fuß. Allerdings waren die Lösegelder für die einfachen Seeleute unerschwinglich. Deshalb griffen die Seefahrer zur Selbsthilfe: Sie gründeten die sogenannten Sklavenkassen, führten jeder einen gewissen Prozentsatz ihres Verdienstes einem gemeinsamen Fonds zu, der zur Auslösung gefangener Kameraden verwendet wurde. Die erste Lösegeldversicherung war geboren. So war es seit dem 8. Mai 1629 üblich, dass jedem Lübecker Kapitän und Steuermann von jeder Mark seiner Heuer ein Schilling zugunsten der Sklavenkasse abgezogen wurde, jedem Matrosen aber sechs Pfennige. Der Rat und die Kaufmannschaft der Stadt Lübeck ließen sich von der Idee begeistern: Sie führten eine geringe Steuer auf alle Ausfuhrwaren ein, etwa ein Sechszehntel des dafür üblichen Zolls, die ebenfalls der Sklavenkasse zufiel.


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