Nürtingen

Sex mit dem Ehepartner

15.12.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Zum Glück hat man für den Ausdruck „68er“ ein Synonym gefunden, wurde die Bezeichnung für die Menschen, die vor vierzig Jahren zwischen elf und 29 Jahre alt waren, doch von der konservativen Seite in einem eher despektierlichen Sinn verwendet. Für eine Generation also, oder besser gesagt für einen Teil davon, die man heute für einen Werteverlust und eine Entsolidarisierung der Gesellschaft verantwortlich zu machen versucht. Fast wie ein Terminus technicus wirkt der Begriff „Generation 50plus“, der nun für alle anwendbar ist, die heute zwischen 50 und 70 Jahre auf – nein, nicht auf dem „Buckel“, sondern auf einem meist erstaunlich gerade und biegsam gebliebenen Rückgrat haben und somit zu den einstmals 68ern gehörten. Bei den meisten haben die Jahre der studentischen Revolte und der Hippietage äußerlich nurmehr wenig hinterlassen. Meist sind die Bärte ebenso verschwunden wie die Wuschelköpfe und die oft mit dem Namen John Lennons verbundenen runden Nickelbrillen. Nur die Jeans sind geblieben und die Platten von den Beatles und Pink Floyd. Doch was ist aus dem Gedankengut der Menschen geworden, die sich in Demonstrationszügen von polizeilichen Wasserwerfern haben umnieten lassen, die sich den bissigen Kommentaren ihrer Nachbarn oder der Passanten ausgesetzt haben, um zu zeigen, dass sie sich von der in ihren Augen spießigen Mehrheit und deren nicht selten noch in der Nazizeit erworbenen Ansichten distanzieren wollten? Auf diese und andere Fragen hat eine Untersuchung der Universität Osnabrück einige nicht wirklich überraschenden Antworten gefunden. So seien, heißt es dort, die „50plusser“ politisch „eher linksorientiert“, ziehen Trekkingtouren dem „All-inclusive-Urlaub“ vor, gehen gerne ins Kino oder tanzen und haben „variantenreichen Sex“ (wie schön!) mit – und das ist vielleicht das einzig wirklich Erstaunliche – dem Ehepartner. Gibt es einen schlagenderen Beweis für die Ankunft im „Establishment“? heb

Nürtingen