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Nürtingen

Räuber mit Manieren

20.03.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Räuber mit Manieren

Auch die Odenwald-Räuber hatten eine Art Gentleman-Gauner in ihren Reihen. Philipp Friederich Schütz hatte das Handwerk im Gefolge eines umherziehenden Korbmachers gelernt, nachdem ihn seine von windigen Geschäftemachern um all ihren Besitz gebrachte Mutter nicht mehr hatte ernähren können. Im Odenwald traf Schütz auf die Bande des Hölzerlips und bekam den Spitznamen Mannefriedrich, den der Schriftsteller Michael Krausnick in seinem Buch Beruf Räuber um das Attribut . . . der schrecklich ergänzt. Er sei von allen Räubern der intelligenteste und gebildetste gewesen, wird erzählt, außerdem sei er meistens durch seine guten Manieren aufgefallen, auch wenn er angeblich dem Branntwein verfallen gewesen sein soll. Der Mannefriedrich war dabei, als der Hölzerlips bei Aschaffenburg eine Kutsche überfiel und dabei ein Schweizer Kaufmann den Tod fand. Auch den an die Verhaftung 1811 anschließenden Prozess standen sie mit ihren Kumpanen Basti, Köhlers Anders, Veit und Mathes Krämer zusammen durch. Vor Gericht schwang sich der Mannefriedrich zum Wortführer der Bande auf, und als die Todesurteile feststanden, bat er die Freunde um Verzeihung für alles, was er ihnen je angetan habe, und forderte sie auf, sich gegenseitig dieselbe Absolution zu geben. Es soll eine sehr rührende Szene gewesen sein, als sich die Verurteilten ein letztes Mal umarmten. Anderntags, am Morgen des 31. Juli 1812, gingen sie, ganz in Weiß gekleidet, nacheinander auf das auf dem Heidelberger Marktplatz aufgebaute Schafott, wo einer nach dem anderen mit dem Richtschwert geköpft wurde. Der Mannefriedrich soll mit einem vorbildlichen Gleichmut auf dem Richtstuhl Platz genommen haben, bevor um viertel nach Zwölf sein Kopf vom Rumpf flog. heb


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