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Nürtingen

Piraten-Schuldscheine

17.04.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wer den Schaden hat, braucht, weiß schon der Volksmund, für den Spott nicht zu sorgen. Davon wissen derzeit die Banker weltweit ein Liedchen zu singen. So verbreitete vor einiger Zeit die Finanznachrichten-Agentur Bloomberg eine nicht ganz ernst gemeinte Neuigkeit, wonach sich die somalischen Piraten für eine Übernahme der schwer angeschlagenen amerikanischen Citigroup-Bank interessierten. Die nämlich bräuchten, so Bloomberg-News, dringend eine Bank, in der sie ihre „Erlöse“ bewirtschaften könnten. Man erinnert sich: Die Banken hatten sich mit der Finanzierung windiger Immobiliengeschäfte in eine prekäre Lage gebracht, weil sie massenweise immobiliengesicherte Kreditverbriefungen gekauft hatten, die, als in den USA und anderswo die Immobilienpreise einbrachen, plötzlich wertlos waren. Gleichzeitig hatten viele Bewohner des mehr oder weniger regierungslosen Afrika-Landes Somalia herausgefunden, dass sich auf den Schiffen, die täglich an seiner Küste entlang uhren, ziemlich wertvolle Dinge befanden, für die die Eigentümer einen hohen „Finderlohn“ bereit sind zu zahlen, wenn sie jemand wiederbeschafft. Vorher müssen diese Dinge aber verloren gehen und die meist beschäftigungslosen jungen Somalis beschlossen, dem „Verlieren“ ein wenig nachzuhelfen. Gut, es ist ja nicht ihre Schuld, wenn das böse Zungen dann „Piraterie“ nennen. Da kam und kommt schon ein Sümmchen zusammen, das natürlich auch Früchte tragen soll. Also, so intendierten die Bloomberg-Agenten, wohl wissend, dass (laut Bertolt Brecht) ein Bankraub nichts ist im Vergleich zum Betrieb einer Bank, böte die schwankende Wall-Street-Bank doch eine herrliche Ebene für solche Geschäfte. Finanzieren wollten die Somalis die Übernahme laut Bloomberg übrigens mit einem ganz interessanten Derivat, das sich börsenintern „PRBS“ nannte. Das steht für „Pirate Ransom Backed Securities“, also etwa: „Lösegeldbesicherte Piraten-Schuldscheine“. Lecker, gell? Wen wundert’s, dass Bloomberg davon ausging, dass das die Rating-Agenturen auch fanden. heb


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