Schwerpunkte

Nürtingen

Nasen

01.09.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Nasen pflegen im Winter oft zu laufen und in hohen Lagen eine flammend rote Farbe anzunehmen. Nasen: das sind unter anderem auch Mike Krüger und Thomas Gottschalk. Prachtstücke zeitgenössischer Gesichtserker, doch was sind selbige im Vergleich zu den oft papageientaucherschnabelförmig gewachsenen Fleischvorsprüngen in den Gesichtern italienischer Renaissance-Condottieri, wie auf dem Abbild des Federico di Montefeltro von Piero della Francesca schön anzusehen. Ein echter Herr von ältestem Adel eben. Wie gut, dass sich darüber bei Ernst Moritz Arndt in dessen Büchlein „Wanderungen mit dem Freiherrn vom Stein“ eine erläuternde Textstelle findet, wo dieser sich 1858 über den Zusammenhang von Nase und Geisteskraft äußerte: „Das ist überhaupt etwas Ausgemachtes, dass bei höherer Bildung und mächtigem lebendigen Streben von innen heraus das Gesichtsgepräge schärfer, dass der Schnabel bestimmter gezeichnet hervortritt; sprechen ja die alten Geschlechter deswegen so gerne von Adlernasen, die sie mit einem eig’nen Stolz Adlergesichter nennen, worüber die erzürnten Plebejer sich den häufig mit der Bemerkung rächen: Ja Raubtiere, Raubvögel, Raubritter waren ihre Ahnen. Wahr ist es, die stattliche Nase, die scharf und spitz hervorspringende Nase bezeichnet Verstand und Stärke, mehr noch Witz und Scharfsinn, aber die Adlerschnäbel ältester Völker oder alter Adelsgeschlechter, welche häufig schon zu spitz und scharf sind sollen sich hüten, daraus eitel feine Schlüsse zu ziehen. Papa Sokrates war ein Breitkopf mit eingedrückter Nase; ich habe mächtige Rund- und Breitköpfe mit kürzestem Schnabel oder fast gar keinem gesehen, deren gewaltiger Geist Dutzende Geisterchen schönster Adlernasen und schärfster Spitznasen verschlingen konnte. Das steht freilich fest: Ohne eine fertige Nase kann kein Gesicht je ein schönes heißen. Es steht aber auch fest: Wann bei den sogenannten verfeinerten und veradlichten Geschlechtern die Nasen zu lang und die Füße zu schmal und zu kurz werden, da ist irgendwie und irgendwo auch wieder der Teufel los, da ist in der Regel des Mutes und Witzes und der Kraft und Stärke zu wenig, da kann man oft drüber schreiben: ,Hic finis generis humani‘ (etwa: Damit ist das Menschengeschlecht am Ende).“


Sie möchten den gesamten Artikel lesen?


Tagespass

  • 24 Std. alle Artikel und das E-Paper lesen
  • Mit PayPal bezahlen

1,20 €

einmalig

10-Tage-Angebot

  • 10 Tage alle Artikel und das E-Paper lesen
  • Endet automatisch
  • Mit PayPal bezahlen

5,00 €

einmalig

Digitalabo

Jetzt neu - mit PayPal bezahlen!

  • Alle Artikel und das E-Paper im Abo lesen
  • jederzeit kündbar

22,50 €

pro Monat


Ich bin bereits Abonnent


Sie sehen 68% des Artikels.

Es fehlen 32%



Nürtingen

Dekan Waldmann aus Nürtingen geht in den Ruhestand

Der Nürtinger Dekan hält am Sonntagmorgen seinen letzten Gottesdienst und wird abends von Prälatin Arnold entpflichtet

16 Jahre war Michael Waldmann Dekan in Nürtingen. Ende des Jahres geht er in den Ruhestand. Am kommenden Sonntag wird er in der…

Weiterlesen

Weitere Nachrichten aus Nürtingen Alle Nachrichten aus Nürtingen