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Malaria

06.11.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) „Diese Krankheit befällt jedes Alter, das Kind in der Wiege wie den Greis.“ Nicht um die Schweinegrippe geht es hier, wohl aber um den Abschnitt des Neckartales zwischen Nürtingen und Bad Cannstatt. Und es geht um die Malaria, damals üblicherweise als Wechselfieber bekannt. Seit dem 17. Jahrhundert hatte man vermutet, dass „die um Stuttgart herum häufig grassierende und umschwebende beschwerliche fiebrige Zuständ und Erkrankung durch aufsteigende böse Feuchtigkeiten“ ausgelöst worden seien. Deshalb ging man daran, die zur Fischzucht benutzten Seen, wie den in Bonlanden, trockenzulegen – und hatte Erfolg.

Einen ähnlichen Nebeneffekt hatte auch die Begradigung des Rheins in Baden gebracht, dessen Altarme in kurzer Zeit zugeschüttet oder von selbst verlandet waren. Nun wollte man das auch am Neckar versuchen, denn von 1784 bis 1825 wurden immer wieder Epidemien aus einzelnen oder mehreren Orten nahe des Flussufers gemeldet. So war 1824 in Berg kein einziges Haus fieberfrei. Im folgenden Jahr waren Gablenberg und Hedelfingen betroffen. Doch am schlimmsten wurde es nach den ab 1827 vorgenommenen Begradigungsarbeiten, denn entgegen den Plänen versumpften die Altarme nur, anstatt von den jährlichen Hochwassern mit Sedimenten aufgefüllt zu werden und zu verlanden. Die Hochwasser blieben nämlich unvorhergesehenermaßen mehrere Jahre aus, weshalb die Mückenplage in einem Umfang überhandnahm, dass der Ort Gaisburg ab 1831 von einer so schweren Malaria-Epidemie heimgesucht wurde, dass es dort 1935 keine einzige Familie mehr gab, die nicht betroffen gewesen wäre. Mehr als 120 Todesfälle waren bis dahin der Seuche zuzurechnen, die erst, nachdem man kostspielige Trockenlegungsarbeiten an den Neckar-Altlachen eingeleitet hatte, ab 1938 langsam abzuklingen begann.


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