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Kein Schnäppchen

20.11.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Wenn der Hase am Ende der Ackerfurche den Igel als Sieger anerkennen muss, obwohl ihn dieser mit dem Wissen ausgetrickst hat, dass für den Hasen alle Igel gleich aussehen, dann hat er ihm, um es mit einer landläufigen Redensart zu sagen, „ein Schnippchen geschlagen“. Was aber ist ein Schnippchen? Und warum wird das arme Ding immer geschlagen? Vielleicht weiß ein etymologisches Wörterbuch mehr. Eines begnügt sich mit der Auskunft, das Schnippchen sei jüdischer Herkunft. Wenig ausführlich. Die „üblichen Verdächtigen“ auf dem Markt der Lexika und Wörterbücher verweisen lediglich auf die Bedeutung, der „Kluge“ immerhin datiert die Entstehung ins 17. Jahrhundert.

Also versuchen wir’s mal ohne den Diminutiv. Da findet der Brockhaus eine „Schnippe“, dieser wird als bestimmte Form einer Blesse bei Pferden definiert. Als „schnipp“ taucht das Wort immer als Partner von „schnapp“ auf und lässt onmatopoesierend die Arbeit einer Schere anklingen. Lautmalend ist auch die Deutung, die uns ein deutscher Historiker zu bieten hat: So hat ein Begleiter Alexanders des Großen auf seinem Zug nach Asien ein Steinrelief gefunden, das einen alten assyrischen Herrscher namens Assurbanipal beim „Schnippchen schlagen“ zeige, also einer Handbewegung, die das geräuschvolle Aufschlagen der Mittelfingerkuppe auf dem Handballen auslöst, nachdem sie durch Druck auf die Kuppe des Daumens ausreichend Spannung aufgebaut hat. Dies muss wohl als Zeichen einer besonderen Leichtigkeit des Umgangs mit dem Leben aufzufassen gewesen sein, denn der umlaufende Text empfiehlt dem Leser in Keilschrift, „zu essen, zu trinken und sich den Genüssen der Liebe hinzugeben“. Alles andere hielt er für keines „Schnippchens“ wert. Von wegen 17. Jahrhundert – der Assyrerherrscher starb über 600 Jahre vor der Zeitenwende.


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