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14.01.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gemeinschaftsschüler berichten über Mobbing

Mobbing hat viele Gesichter – wie die gestellten Szenen zeigen. Fotos: gms8b
Mobbing hat viele Gesichter – wie die gestellten Szenen zeigen. Fotos: gms8b

Ciara, Finja, Alisa und Minesa aus der Klasse 8b der Gemeinschaftsschule Frickenhausen sagen: Mobbing ist eines der belastendsten Themen in der Schule. Hier ist ihr Bericht dazu.

Von der Grundschule bis zur Oberstufe kommt Mobbing immer wieder vor. Hierbei spricht man vom sogenannten „Psychoterror“, was das Schikanieren, Bloßstellen, Ärgern, Beleidigen und so weiter von anderen bedeutet. Systematisches Ausgrenzen und Erniedrigen gehört auch dazu.

Bei Mobbing gibt es drei aufeinander aufbauende Stufen:

Explorationsstadium: Ein Schüler oder eine Schülerin möchte den eigenen sozialen Status verbessern und sucht ein oder mehrere Opfer aus. Durch unterschiedliche Sticheleien lenkt er oder sie die Aufmerksamkeit auf sich. Konsolidierungsstadium: Der Täter oder die Täterin übt systematische Attacken auf einzelne Schülerinnen oder Schüler aus. Hier beginnt Mobbing erst richtig.

Manifestationsstadium: Ab diesem Punkt hat der Täter es geschafft, die Klasse zu überzeugen, dass die Attacken gegen das Opfer gerechtfertigt sind. Er bekommt Anerkennung bis hin zu Unterstützung. Das Ergebnis ist die Aufwertung des Sozialstatus vom Täter oder von der Täterin.

Außerdem gibt es zwei Arten von Mobbing. Da ist zum Beispiel das aktive und körperliche Mobbing: Dazu gehört zum Beispiel körperliche Gewalt, Beschädigung von Eigentum und Diebstahl von Eigentum. Zum passiven und psychischen Mobbing gehört Ausgrenzung, Auslachen, Erfinden von Gerüchten, lächerlich machen und ständige Kritik.

Mobbing sollte man aber nicht mit kurzzeitigen Konflikten, Streitereien und aggressiven Auseinandersetzungen verwechseln. Damit man etwas Mobbing nennen kann, muss es über einen längeren Zeitraum, mindestens sechs Monate, regelmäßig passieren. Dem Täter oder der Täterin geht es darüber hinaus in den allermeisten Fällen darum, Macht und Überlegenheit gegenüber anderen auszuspielen und Opfer möglichst sichtbar und öffentlich zu demütigen.

Oftmals gehen sie davon aus, dass sie selbst einmal gemobbt wurden. Eher selten kommt es vor, dass ein Täter oder eine Täterin sich nicht im Klaren darüber ist, was er oder sie anrichtet. Dort hilft oft ein Gespräch mit den Lehrern.

Anders ist es bei denen, die bewusst mobben. Hier ist es nötig, ein klares Einschreiten der Schulleitung zu fordern. Diese kann auch folgenschwere Maßnahmen ergreifen wie einen Schulausschluss. Meistens beeindruckt dies den Mobber oder die Mobberin, was ihn oder sie dazu bringt, über die eigenen Handlungen nachzudenken. Wenn klar wird, dass es ihnen offenbar Spaß macht, andere zu quälen, sind sie oft selbst schockiert und versuchen ihr Verhalten zu ändern.

Jungen neigen eher zu offenen Aggressionen und greifen körperlich oder verbal an, während Mädchen eher manipulieren, Gerüchte verbreiten oder sozial ausgrenzen. Dies wird auch als Beziehungsaggression bezeichnet. Man sucht bei seinem Opfer Punkte, an denen sie leicht zu verletzen sind. Wenn das Opfer sich nicht wehrt, wird es weiter gemobbt.

Merkmale, die einen Schüler oder eine Schülerin eher in eine Opferrolle bringen können, sind Abweichungen von der Klassennorm wie Behinderung, Gewicht, Kleidung oder Hautfarbe, aber auch Ängstlichkeit.

Die Opfer sollten sich an eine Person wenden, die helfen kann. Viele schämen sich, dass sie gemobbt werden und leiden still vor sich hin. Im besten Fall sollten sie so stark sein, dass sie nicht aufgeben, bis ihnen jemand zuhört. Falls die gemobbte Person sich jedoch nicht selber an jemanden wendet, könnten folgende Warnzeichen ein Indiz für Mobbing sein: das Kind will nicht mehr in die Schule, die Leistungen lassen nach und das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl sinkt. Sollte das Mobben in diesem Stadium immer noch nicht entdeckt werden, so kann es zu weitaus schlimmeren Folgen kommen. Dazu gehören Schlafstörungen, Depressionen, Panikattacken und im schlimmsten Fall Suizidgedanken bis hin zum Selbstmord.

Experten schätzen, dass 20 Prozent der Selbstmordfälle jährlich durch Mobbing ausgelöst werden. Deshalb sei stark, falls du betroffen bist, erzähle anderen davon und suche dir Hilfe. Schaut auch niemals weg, wenn ihr es mitbekommt!

Nürtingen