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Erfinderschicksal

14.02.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Erfinderschicksal

Erfinder wie Edison, Daimler, Bosch und Düsentrieb kennt in nicht ganz bildungsfernen Kreisen jedes Kind. Andere, deren Entdeckungen eine ähnlich große Wirkung erzielten, fristen dagegen nahezu unbekannt ihr Totsein. Seit 150 Jahren tut solches auch ein Herr namens Joseph Ressel, der einst die Schraube ohne Ende erfand. Kein Witz so hieß eine weltbewegende Erfindung in der Liste des zuständigen Patentamtes. Der Zusatz zur Fortbewegung von Schiffen macht deutlich, von welcher Bedeutung Ressels Erfindung noch heute für den Welthandel ist, löste sie doch endlich den viel weniger effektiven und aufwändigeren Schaufelradantrieb in der Schifffahrt ab. Da der 1783 im böhmischen Chrudim geborene Forstbeamte nicht genügend Geld hatte, das Patent zu nutzen, wurde er nach feinster Kapitalistenart von Geschäftemachern um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Immer wieder kämpfte er um die ideelle und materielle Anerkennung seiner Leistung, doch waren Gerichte, Regierungen und Militärs mit den Reichen und honorierten die Cleverness verschiedener Produktpiraten jener Tage. Da wurden Akten für verloren erklärt, die Ressels Ansprüche hätten beweisen können, oder man untersagte ihm die Weiterentwicklung seiner Erfindung gerichtlich. Ressel starb am 11. Februar 1857 ruiniert und verbittert im slowenischen Laibach an Typhus. Erst Jahre später erfuhr er als Erfinder der modernen Schiffsschraube die ihm gebührende Ehre. Hundert Jahre nach Ressels Tod setzte ihm der tschechische Schriftsteller Zdenek Pluhar 1957 ein literarisches Denkmal und die Regierung der Republik Österreich sein Konterfei auf den Schein zu 500 Schilling. Vermutlich hatten die Nachfahren der Nutznießer seines Entdeckergeistes davon mehr auf dem Konto als die seinen. heb


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