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Ende eines Mythos

14.04.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ende eines Mythos

Man sollte vorsichtig sein mit Vorschusslorbeeren. Vielleicht gerade mit ihnen. Denn zuweilen welken die ganz besonders schnell. Und weil man es kaum glauben kann oder will, spielt sogar die Musik noch dazu. So 20 Minuten vor Mitternacht vor 96 Jahren. Es herrscht noch keine Panik auf der Titanic, die Bordkapelle spielt zum Dessert (Liebesknochen mit Schokolade und Vanillecreme) auf. Und keiner, der sich das lukullische elfgängige Mahl (unter anderem mit gebratenem Täubchen auf Kresse) gönnt, ahnt wohl, dass in diesem Moment der Stolz der britischen Schifffahrt, das Wunderwerk der Technik, mit dem Tempo eines 100-Meter-Sprinters auf einen Eisberg zurast. Die 60000 Tonnen Stahl, für unsinkbar gehalten, haben keine Chance gegen die scharfen Kanten des ewigen Eises, der wachhabende Offizier ruft zu spät: Steuer hart Backbord, volle Kraft zurück! Es sollte nichts mehr nutzen. Der Tod kommt für rund 1500 Menschen zunächst sanft, aber dann unaufhaltsam: Die meisten schliefen, denn die Erschütterung der Kollision mit der Naturgewalt war kaum zu bemerken. Allenfalls von denen, die noch zum Tafeln (in der ersten Klasse) oder Tanzen und Saufen (in der dritten) wach geblieben waren, fragten sich ein paar, warum die Maschinen auf der Jungfernfahrt des größten Schiffes der Welt plötzlich gestoppt wurden. Und viele wollten den Ernst der Lage nicht erkennen. Im ersten Rettungsboot saßen gerade 28 Leute auf 65 Plätzen. Und dann spielte die Bordkapelle Näher, mein Gott, zu Dir. jg


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