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Eingeschränkt

10.09.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Eigentlich ist das Telefonieren während der Fahrt für alle Verkehrsteilnehmer, die ein Fahrzeug benützen, nur erlaubt, wenn der Telefonierende eine so genannte Freisprecheinrichtung benützt. Wird einer mit dem Knochen am Ohr erwischt, während er oder sie gerade Fahrrad fährt, kostet das 25 Euro, passiert das Verkehrsteilnehmern in Kraftfahrzeugen, sind gar 40 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig. Trotzdem sieht man, als gälte es zu beweisen, dass man sich doch nicht vom Gesetzgeber ans Gängelband nehmen lässt, nahezu jeden zweiten Autofahrer sein Mobiltelefönchen am Ohr in der einen Hand, die andere (zum Glück) meist noch am Lenkrad. Mehr als 300 000 Übertretungen wurden im Jahr 2006 registriert, und für manchen Flensburger Kunden kann der eine Punkt das berühmte Fass zum Überlaufen bringen.

Kein Wunder, dass die Justiz inzwischen über einen lesenswerten Katalog der phantastischsten Ausreden verfügt. Ganz besonders schlau glaubte ein vor einem deutschen Amtsgericht stehender Verkehrssünder zu sein, der von der Polizei mit einem Handy am Ohr ertappt worden sei. Sein Kiefer, behauptete der Beklagte, sei so wackelig, dass er dringend eine Stütze benötigt habe, und verlieh seiner Behauptung mit eindrucksvollen Halsbewegungen und lautem Knacken der Knochen Nachdruck, wie er glaubte. Doch damit kam der 36-jährige an den Falschen: der Richter verurteilte den Delinquenten zu den 40 Euro Bußgeld, denn die werden schon für das bloße In-der-Hand-Halten eines Telefonhörers fällig. Darüber hinaus ordnete der Richter eine Überprüfung der Fahrtauglichkeit des Telefonisten durch die Führerscheinstelle an, denn es sei, so die Begründung, davon auszugehen, dass „wer beim Autofahren eine Hand für das Festhalten eines wackeligen Kiefers brauche, nur eingeschränkt am Straßenverkehr“ teilnehmen könne“. So kann’s gehen.


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