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Eine hohe Aufgabe

02.12.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Ohne den Druck durch die im deutschen Kaiserreich trotz eines Verbotes immer stärker werdende Sozialdemokratiebewegung hätte sich der „von Gottes Gnaden Deutsche Kaiser, König von Preußen usw.“, Wilhelm I. („Wir Wilhelm . . .“) wohl niemals zu jenem Brief an den Reichstag durchgerungen, den ihm sein Kanzler Bismarck im November 1881 in die Hand diktiert hatte. Darin gestand der Monarch den Arbeitern und Angestellten im Reich einen „begründeten Anspruch auf ein höheres Maß staatlicher Fürsorge, als ihnen bisher hat zuteil werden können“ zu. Darin forderte der ehemalige „Kartätschenprinz“ die Abgeordneten des Parlaments „ohne Unterschied der Parteistellungen“ auf, „für diese Fürsorge die rechten Mittel und Wege zu finden“. Dies sei, so der Kaiser weiter, eine schwierige, aber auch eine der höchsten Aufgaben jedes Gemeinwesens, welches auf den sittlichen Fundamenten des christlichen Volkslebens steht“. Damit war der Grundstein gelegt für die sogenannte „Bismarck’sche Sozialgesetzgebung“, wie seither vermutlich jedes Schulgesetzbuch den Vorgang kanonisiert hat. Am 1. Dezember 1884, also gestern vor 125 Jahren, trat das Gesetz über die Einführung einer anteilig von den Arbeitnehmern (2/3) und den Arbeitgebern zu finanzierende Krankenversicherung in Kraft. Abgesichert wurden dadurch die bis dahin fast immer ruinösen Risiken der Arbeitnehmer, arbeitsunfähig krank oder – was auch heute noch überwiegend den weiblichen Anteil betrifft – schwanger zu werden, abgemildert. Von nun an gab es ab dem dritten Krankheitstag 50 Prozent des Arbeitslohnes und die Kosten für den Arzt, Medikamente und Krankenhausaufenthalte wurden ebenso von einer der damals gegründeten Krankenkassen getragen wie Sterbegeld und Mutterschaftshilfen.


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