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Nürtingen

Eine gute Klinge

10.07.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Auf einer Bergkuppe bei dem Stuttgarter Stadtteil Mühlhausen sieht der vorbeikommende Wanderer nicht mehr viel. Lediglich ein paar steinerne Mauerfundamente erinnern daran, dass hier mal eine Burg stand, die 1312 zerstört wurde und einst im Besitz der Herren von Blankenstein gewesen war. Die stammten wohl von einer ebenfalls bereits im Mittelalter abgegangenen Burg im Brunnental bei Wasserstetten und nannten ihre Stuttgarter Festung Engelburg. Ihre rund zwei Meter dicken Ringmauern umschlossen eine Gesamtgrundfläche von 480 Quadratmetern. Begonnen wurde um 1260 mit dem Bau, der 20 Jahre später vollendet gewesen sein soll. Das vollständige Gemäuer überstand also nicht einmal ein halbes Jahrhundert. Doch die Engelburg hatte eine Vorgängerin. Denn 600 Jahre vorher wird eine Biberburg urkundlich erwähnt, die wohl an derselben Stelle gestanden haben muss und im Besitz des alemannischen Herzogs Gotfrid gewesen sein soll. Laut dieser Urkunde aus dem Jahr 700 vermachte der Herzog seine Biberburg den Mönchen des Klosters St. Gallen. Eingefädelt hatte das Geschäft der Cannstatter Priester Magulfus. Gotfrid scheint zumindest enge verwandtschaftliche Beziehungen zu dem alten alemannisch-fränkischen Adelsgeschlecht der Agilofinger gehabt zu haben, denn sonst hätte sein dritter Sohn Odilo kaum die Stelle des bairischen Stammesherzogs bekommen. Schon damals war Vitamin B eben das wichtigste Karriere-Doping (und noch heute gilt im deutschen Staatsangehörigkeitsrecht das Blut mehr als die Geburt). Da sich die fränkischen Hausmeier erst nach Gotfrids Tod im Jahr 709 über den Rhein nach Schwaben trauten, gehen wir mal davon aus, dass unser damaliger Landesherr eine gute Klinge führte, was mit Gefolgsleuten wie dem guten alten Nürti sicher mächtig Laune gemacht hat, weshalb der jetzt darauf einen Humpen alemannischen Gerstensaftes heben geht. Prost!


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