Nürtingen

Ein schräger Vogel

08.05.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Es ist kaum auszukommen mit ihnen, ja manchmal möchte man ihretwegen an die Decke gehen – und trotzdem sind sie irgendwie das Salz in der Suppe, auch in der Rockmusik. Es geht um schräge Typen in einem Team, die einen mit ihrer Unzuverlässigkeit zur Weißglut bringen können, aber mit ihrer Genialität auch andere mit auf den Weg zu den Sternen reißen. So ein schräger Vogel war auch Graham Bond, der sich in späteren Jahren für den leiblichen Sohn des Okkultisten-Papstes Aleister Crowley hielt. Bond wurde 1937 als uneheliches Kind von einer Beamtenfamilie adoptiert. Er lernte schnell verschiedene Tasten- und Blasinstrumente spielen. Seine Adoptiveltern wollten ihn zu einem Konzertpianisten machen, doch er stand nun einmal auf Jazz. Anfang der 60er-Jahre war Bond bereits als hoffnungsvoller Saxophonist in England bekannt. Als Mitglied des John Randell Quintetts machte er sich einen Namen. 1962 trat Graham Bond der noch jungen Blues Incorporated von Alexis Korner bei. In dieser Zeit tauchten die ersten elektronischen Orgeln auf, und bald sah man ihn hinter einer Hammond sitzen und sich die Seele aus dem Leib singen. Ray Charles wurde sein Vorbild, und sein Geschmack wandelte sich vom Jazz zum Blues. Die erste eigene Band gründete er gemeinsam mit Jack Bruce und Ginger Baker, und als später noch der Gitarrist John McLaughlin hinzustieß, war die Graham Bond Organization geboren. McLaughlin wurde noch im selben Jahr, 1963, durch den Saxophonisten Dick Heckstall-Smith ersetzt. Die Musiker wechselten und die Graham Bond Organization erwies sich als eine Art experimenteller Ursuppe, aus der Bands wie Cream, Colosseum und das Mahavishnu Orchestra (McLaughlin) entstanden. Graham Bond selbst blieb auf wirtschaftlichem Gebiet erfolglos, verfiel dem Heroin und starb am 8. Mai 1974 unter ungeklärten Umständen im Londoner U-Bahn-Netz. Die Leiche konnte nur anhand der Fingerabdrücke identifiziert werden.

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