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Nürtingen

Die Piefkes kommen

26.01.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Also, Fremdwörter gibt’s (hier müsste man das Bild des kopfschüttelnden Schreiberlings einfügen können, der soeben über den Fachausdruck „Ethnophaulismus“ gestolpert ist). Gut, sei’s drum: Wir lernen, dass damit eine „abwertende Fremdbezeichnung für Volksgruppen“ gemeint ist. Wenn zum Beispiel ein Bayer den „Preiß’n“ erwähnt und damit alle nördlich des „Weißwurschtäquators“ – also des Mains – geborenen Deutschen meint oder, womit wir beim heutigen Thema wären, der Österreicher von den „Piefkes“ spricht, und damit alle Deutschen über einen Kamm schert. Diese wohl zackigste aller Metaphern weist uns den Weg nach Preußen, dem Stammland einer Offiziersfamilie, die tatsächlich den Namen Piefke trägt. Der Legende nach soll der aus diesem Namen entsprossene Ethnophaulismus seinen Ursprung in einem Triumphzug der im sogenannten „deutschen Krieg“ (1866) siegreichen preußischen Armee auf die Hauptstadt des unterlegenen Österreich haben. Der Offizier und Militärmusiker Johann Gottfried Piefke (1815 bis 1884) hatte anlässlich dieses Sieges einen Marsch komponiert, den das Musikkorps der Preußen zu diesem Marsch erdröhnen ließ. Beim Einzug in die Stadt Wien marschierten der Komponist und sein Bruder Rudolf, beide mit ungefähr 1,90 Meter preußisches Gardemaß repräsentierend, dirigierend vorneweg. Dieser Anblick soll die Wiener zu der naserümpfend kolportierten Parole „Die Piefkes kommen“ angeregt haben, die sich bis heute, sei es im Sommer oder Winter, zu jedem Ferienbeginn wiederholt. Am gestrigen Sonntag vor 125 Jahren schloss jener Johann Gottfried Piefke für immer die Augen – wohl ohne zu wissen, dass sein Name zum „ethnophaulistischen“ Inbegriff alles Deutschen im Nachbarland emporgezerrt worden ist. heb


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