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Die Hand Gottes

10.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

„Toni, du bist ein Fußballgott“, krähte der deutsche Radioreporter Herbert Zimmermann aus den Dampfradios der 1950er-Jahre, als der deutsche Nationaltorwart Anton Turek aus Duisburg im Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft 1954 im Berner Wankdorf-Stadion gegen Ungarn einen als unhaltbar geltenden Ball abgewehrt hatte. Dabei war der Mann Bäcker. Aber spätestens von da an gab es keinen Zweifel mehr, dass die Religion begann gegen andere Massenbewegungen ins Hintertreffen zu geraten und inzwischen gibt es ganze Bücher, die sich mit nichts anderem befassen als dem religiösen Charakter des Fußballs, der für viele von der „schönsten Nebensache der Welt“ zum Lebensinhalt, zur Essenz ihrer Selbstdefinition geraten ist. „Die Hand Gottes“ sei es gewesen, doch nicht die seine, die im WM-Viertelfinale 1986 in Mexiko den Ball über Englands Torhüter Shilton hinweg ins Tor bugsiert hatte. Und er selbst, Maradona, wurde von seinen Fans wie ein Gott verehrt. Und das gesamte Phänomen hat in vielen Bereichen zumindest den Charakter kultischer Handlungen und Rituale angenommen. Oder wie anders soll man es bezeichnen, wenn dutzendweise Artikel in den Farben des jeweiligen Vereins auf dem Leib getragen, dem Federbett übergezogen werden oder an bestimmten Plätzen des Hauses oder der Wohnung altarähnlich aufgebahrt werden und nur zu besonderen Anlässen zur Hand genommen werden? Der britische Schriftsteller Nick Hornby beschreibt seinen ersten Besuch im Stadion der „Gunners“, wie die Fußballer des FC Arsenal London genannt werden, als eine Art Initiationsritus, der eine lebenslange Bindung begründet. Der Text der Dortmunder Vereinshymne gefällig? „Leuchte auf, mein Stern Borussia! Leuchte auf, zeig mir den Weg! Ganz egal, wohin er uns auch führt – ich werd’ immer bei dir sein!“ – Noch Fragen? heb

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