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Der "Hölzerlips"

19.03.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Der Hölzerlips

Einer der berüchtigtsten Räuber, die um 1800 im Kurpfälzischen ihr Unwesen trieben, war der Hölzerlips. Den ersten Teil dieses Künstlernamens hatte er von dem selbst geschnitzten Holzspielzeug, das er auf den Märkten um Eckhardroth feilbot, um dort unerkannt lohnende Objekte ausbaldowern zu können. Lips ist eine Kose- oder Kurzform für Philipp, wie der Hölzerlips mit zweitem Vornamen hieß. Georg Philipp Lang war um 1780 als Sohn eines Vaganten-Paares auf die Welt gekommen und hatte damit die besten Voraussetzungen, das Räuberhandwerk zu erlernen, was vermutlich auch die einzige Chance war, die ihm die damalige, ebenso scheinheilige wie rigorose Gesellschaft gelassen hätte, sich und die Seinen satt zu bekommen. Mit seiner Bande von fünf Komplizen überfiel er Reisende und brach bei mehr oder weniger reichen Bauern und Kaufleuten ein, bis ihn 1811, nach einem Überfall auf eine Kutsche, bei dem ein Schweizer Kaufmann zu Tode gekommen war, die Polizei nach einer aufsehenerregenden Fahndung dingfest machen konnte. Zusammen mit dem Mannefriedrich, dem Krämer-Matthes und Veit Krämer wurde der Hölzerlips am 31. Juli 1812 in Heidelberg durch das Schwert hingerichtet, vulgo: einen Kopf kürzer gemacht. Die beiden anderen Mitglieder der Odenwald-Spessart-Bande, wie sie in der Presse genannt wurden, kamen mit dem Leben davon. Wegen ihres noch jugendlichen Alters begnadigte der badische Großherzog Sebastian Lutz, genannt Basti, und Andreas Petry alias Köhlers Anders und ließ sie nach Mannheim ins Zuchthaus bringen. Den Namen Hölzerlips machte sich eine Mannheimer Folkband zu eigen, die in der Sprache der Jenischen (eine Art Rotwelsch) die Taten der Spessart-Räuber besingt. heb


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