Nürtingen

Der Babelfall

19.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Fünfzig Jahre nach der Niederlage der Seleukiden unter Antiochos III. bei den Thermopylen in Griechenland und ihrem dadurch eingeleiteten Rückzug aus Europa fiel 141 vor unserer Zeitrechnung mit Babylon auch ihr letztes großes Machtzentrum. Doch waren es diesmal (noch) nicht die Römer, die sich damit erstens das Zweistromland unter den Nagel rissen und, zweitens, das Reich Alexanders des Großen in den Mülleimer der Geschichte kippten, sondern ein vermutlich von den Skythen abstammendes Volk, das sich nach dem Einwanderungsland Parthia Parther nannte. Ihr König und Eroberer Babylons Mithridates I. nahm nach diesem Coup den Titel „shah in shah“ („König der Könige“) an, um sich damit in die Tradition und legitime Nachfolge der Achämeniden einzusetzen, als deren letzter Vertreter Dareios III. bei Issos die Keilerei verloren hatte. Damit erwuchs dem Imperium Romanum am Ostrand des Reiches ein weit stärkerer Gegner, als es die Germanen, die zu dieser Zeit noch in dichten Wäldern auf der anderen Seite der damals bekannten Welt mit den Auerochsen um die Wette brüllten, später waren. Die Parther herrschten nach der Eroberung Babylons über ein Reich, das ungefähr mit der Fläche des heutigen Iran, erweitert um den Irak, die Osttürkei und Teile Turkmenistans und Syriens, identisch ist. Man kontrollierte die Seidenstraße und andere wichtige Handelswege ebenso wie den Persischen Golf und den Seeweg nach Indien. Zudem waren die Parther gefürchtete Krieger und nicht zuletzt noch Jahrhunderte später ein Grund für die Aufgabe der römischen Kriegsziele in Germanien. Dass die Varusschlacht dabei keine so bedeutende Rolle gespielt haben kann, erhellt vielleicht die Tatsache, dass die Schlacht bei Carrhae gegen die Parther im Jahre 53 vor Christus mit einer weit größeren Niederlage der Römer endete, verlor doch der „Triumvir“ Crassus dort nicht drei, sondern gleich sechs Legionen und – dies die größte Schmach – deren Feldzeichen. heb

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