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Der Außerirdische

04.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wer meint, die Konzeption von Personenkraftwagen im Windkanal sei eine Errungenschaft der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts befindet sich auf dem berühmten Holzweg. Nicht der NSU Ro 80, kein Ferrari und erst recht kein Lamborghini standen Pate als Windsbraut des Benzinzeitalters sondern ein tschechisches Modell, das äußerlich eher an einen mutierten Delfin erinnerte, als an eine der Benzinkutschen seiner Zeit. Am 4. März 1934 stellte die tschechische Firma Tatra ihr ziemlich futuristisch anmutendes Modell „T 77“ einer erstaunten Öffentlichkeit vor. Allerdings war mit dem Windkanal noch nicht das Ziel einer größtmöglichen Sparsamkeit hinsichtlich des verbrauchten Kraftstoffes verbunden, man wollte vielmehr das Äußerste an möglicher Geschwindigkeit aus dem Vehikel herauskitzeln. Mit einer senkrecht stehenden Heckflosse sollte dabei eine höchstmögliche Laufstabilität sicher gestellt werden. Für damalige Verhältnisse war das bei knapp 150 Sachen auch ratsam. Sagenhafte 60 PS leistete der drei Liter große Achtzylindermotor, den man um eine glatte Bodenfläche zu Erreichen hinter der hinterachse platziert hatte. Fünf Meter und 31 Zentimeter war die Rakete lang und schoss mit einer Bodenfreiheit von 22 Zentimetern über Europas Pisten. Mit rund 1,7 Tonnen nicht gerade ein Leichtgewicht verbrauchte der Bolide locker seine 15 Liter Sprit pro 100 Kilometer und hatte mit dem Käfer den Heckantrieb und die Luftkühlung gemeinsam. Auch die Preise dürften damals nicht von Pappe gewesen sein. Ein Jahr später folgte ein Tatra T 77 A, der noch ein bisschen stärker und schneller war. Was von den insgesamt 255 hergestellten Fahrzeugen noch übrig ist, zählt in Sammlerkreisen zu den gesuchtesten Objekten der Begierde. Übrigens soll ein Hollywood-Regisseur gleich mehrere Exemplare bestellt haben – um damit Fortbewegungsmittel Außerirdischer darzustellen. heb

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