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Das kommt davon

27.07.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Als Berlin 1945 von den Alliierten erobert war, belegte deren Verwaltung einen gewissen Theodor Friedrich Emil Janenz mit einem lebenslangen Auftrittsverbot. Zu groß war seine Nähe zu den Mächtigen des Nazi-Systems gewesen, zu groß seine Bereitschaft, in deren Propagandamaschinerie ein großes Rad zu drehen. Als es dann zu seinem Pech (dem umso größeren Glück der restlichen Welt) zu Ende war mit dem tausendjährigen Reich, war damit auch Schluss mit der Karriere des Mannes, der sich als Schauspieler den Künstlernamen Emil Jannings gegeben hatte. Dabei hatte alles so schön angefangen: Abbruch der Schule, Krach im Elternhaus, wo die Schauspielerei verpönt war, ein volles Jahr als Schiffsjunge auf den Weltmeeren, dann endlich die Einwilligung der Eltern, eine Schauspielschule zu besuchen. Doch dort wollte man ihn nicht. „Kein Talent“ hieß es über einen jungen Mann, dem wenige Jahre später der Titel „bester Schauspieler der Welt“ verliehen werden sollte und der den Dorfrichter Adam in Kleists Schauspiel „Der zerbrochene Krug“ wie kein anderer verkörperte. Dann der Film: Brotarbeit für ihn, der die Bühne vorzog, aber eine, die ihn reich machte. Große Karriere in Amerika, wo er mit den angesagten Regisseuren Ernst Lubitsch und Joseph von Sternberg, mit Schauspielerinnen wie Pola Negri und Greta Garbo arbeiten konnte. Weiß der Fuchs, was ihn 1929 getrieben hatte, wieder nach Deutschland zu kommen. Arbeit und, wie es zunächst hieß, sein deutscher Akzent können es nicht gewesen sein. Hitler? Wohl kaum, mit dem war vier Jahre vor der Machtergreifung zwar zu rechnen, eine „Bank“ aber waren die Nazis noch nicht. Wie auch immer – Emil Jannings starb einsam und verbittert 1950 im österreichischen St. Wolfgang, wo er auch begraben liegt. Vergangene Woche, am 23. Juli wäre er 125 Jahre alt geworden.


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