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Nürtingen

Brennende Erde

28.07.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Man schrieb das Jahr 1668. Es war bitterkalt und die Männer, die im oberen Filstal mit dem Abbau von Posidonienschiefer beschäftigt waren, machten in ihrer Grube ein Feuer, um sich ein wenig daran wärmen zu können. Als sie abends den Heimweg antraten, ließen sie das Feuer einfach weiterbrennen. Es werde schon von selbst ausgehen, sagten sie sich und gingen. Das Feuer aber brannte lustig fort und bekam unterirdische Nahrung. Denn der ölhaltige Schiefer entzündete sich ebenfalls, sodass sich das Feuer, soweit der Schiefer reichte, ausbreiten konnte. Das schwelte und kokelte bald in der ganzen Umgebung und aus dem Boden stieg vielerorts Rauch auf. Das Feuer widerstand allen Löschversuchen und meinte man, es hier endlich besiegt zu haben, brach es wenig später anderwärts wieder aus.

Selbst der Herzog, Eberhard III. regierte damals das „Ländle“, mochte sich den Anblick der brennenden Erde nicht entgehen lassen und dürfte wohl der damals prominenteste Katastrophentourist gewesen sein. Aber auch seine Anwesenheit nützte nichts, der Brand hielt sechs Jahre lang an und konnte nur gelöscht werden, indem man einen Kreis von tiefen Gräben um die brennende Fläche zog. Nun fingen die Bauern das durch die Hitze aus dem Gestein in die Gräben triefende Öl auf und verkauften das solchermaßen erwirtschaftete „Petroleum“, was zu deutsch „Steinöl“ heißt. Es sollte aber die Erde in dieser Gegend (Bad Boll liegt gleich um die Ecke) nicht zum letzten Mal gebrannt haben. Noch in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts fiel Arbeitern, die ebenfalls in einer Steingrube Feuer gemacht hatten, ein Teil der heißen Asche in einen Spalt und setzte den darunterliegenden Schiefer in Brand.


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