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Nürtingen

Bei Bramsche benebelt

06.04.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

„Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann / mit seinen blonden Horden / so gäb’ es die deutsche Freiheit nicht mehr / wir wären römisch geworden!“, reimte Heinrich Heine spöttisch 1844 in seinem Epos „Deutschland ein Wintermärchen“. Spöttisch, weil im nachnapoleonischen Europa, und besonders in den deutschen Landschaften, die Fürsten die Schrauben der Zwangsherrschaft wieder angezogen hatten, während ausgerechnet in dem früh römisch gewordenen Nachbarland links des Rheines die Massen schon zum zweiten Mal die Straßenlaternen mit – zugegeben – ein wenig sachfremden Aufgaben betraut hatten. Da war die sogenannte „Varus-Schlacht“ oder „Schlacht im Teutoburger Wald“ immerhin 1835 Jahre her gewesen, und nicht einmal ein Hauch von Freiheit wehte in den germanischen Gauen, die zum Teil von hohenzollerschen oder habsburgischen Stallknechten beherrscht waren. Zwar war auch in Frankreich mit Louis Philippe der Adel wieder auferstanden, hatte sich aber an ein machtpolitisches „Pari“ mit dem Sieger der zweiten Revolution, dem Bürgertum, gewöhnt, und man beutete die kleinen Leute nun eben gemeinsam aus. So ähnlich hatte sich auch die Varus-Schlacht ausgewirkt, die von Arminius hauptsächlich angezettelt worden war, um sich einen eigenen Machtbereich anzueignen, da der Markomanne Marbod, der von den germanischen Fürsten den größten Einfluss ausübte, einen modus vivendi mit den Römern gefunden hatte und weiterpflegte. Dass die Römer nicht nur die in der Schlacht bei Bramsche vor 2000 Jahren verlorenen Legionen schnell ersetzt und sogar aufgestockt hatten, wirft ein eigenes Licht auf die Tatsache, dass sie wenige Jahre später das Interesse an dem neblig-unwirtlichen rechtsrheinischen Waldland verloren und sich im Südosten lohnenderen Unternehmungen zuwandten. heb


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