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Nürtingen

Badefreuden

12.06.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Badefreuden

Wasser ist zum Waschen da und kommt in der gewünschten Temperatur aus dem Hahn. Die tägliche Dusche mit einer beliebigen Menge duftigen Gels ist eine Selbstverständlichkeit, die den Kurs der Procter-&-Gamble-Aktien stetig steigen lässt. Doch das war nicht immer so. Vor fünfzig Jahren noch war nicht jeder Haushalt an das Netz der kommunalen Wasserleitungen angeschlossen. Und wenn doch, dann musste trotzdem für den Bedarf von heißem oder warmem Wasser im Küchenherd, Waschkessel oder Badeofen ein Feuer entzündet werden, was heute etlichen Feinstaub-Hysterikern kalte Schauer über den Rücken jagen würde. Wie den Waschtag gab es den Badetag, und der war meistens samstags. Und der lief als Modell soll uns eine damals durchschnittliche fünfköpfige Kleinfamilie dienen folgendermaßen ab: Mutter holte Holz und Eierkohlen aus dem Keller des Mehrfamilien-Mietshauses und befeuerte damit mühsam den Badeofen. Dann musste man eine halbe Stunde warten, bis das Feuer das Wasser im darüber liegenden Kessel so weit erwärmt hatte, dass das jüngste Kind damit in der bereitstehenden Zinkwanne übergossen werden konnte. War das Küken abgewaschen, kam das nächste Kind in die Wanne und so weiter und alle benutzten dasselbe Badewasser, einschließlich der Mutter, die nach den Kindern an die Reihe kam. Erst der Vater, der ja schließlich die ganze Woche über seine Haut zum Wohl der Familie zum Markt des Kapitals getragen hatte, bekam wieder eine Wanne voll frischen Wassers. Solchen Zuständen konnte die Reinigungsmittelindustrie natürlich nicht lange zusehen, und mit einer beispiellosen Werbekampagne drückte sie den Menschen ihre Produkte aufs Auge, bis die akzeptierten, dass Allergien normal und die Robustheit auf dem Altar der Reinlichkeit zu opfern sei. heb


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