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Nürtingen

Aufs Glatteis geführt

20.04.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

„Schuster, bleib bei deinen Leisten“, spricht der Volksmund meistens weise und nicht zu Unrecht. Manchmal aber sind die Talente der Menschen so ungerecht verteilt, dass einer wirklich deren mehrere auf sich vereint. So haben manche Sportler mit mehr oder weniger Erfolg den Fußball, den Sandsack oder die Schlittschuhe mit dem Mikrofon vertauscht – die einen mit mehr, die anderen mit weniger Erfolg. Max Schmeling zum Beispiel hat nur einmal und dann nie wieder versucht, als Sänger zu reüssieren und auch das nur, weil ihn der Regisseur des Filmes „Liebe im Ring“ aufs Glatteis geführt hat. Wobei wir noch nicht mal wissen, ob Reinhold Schünzel zu diesem Zeitpunkt schon wusste, dass der als Stummfilm geplante Streifen von 1930 dann doch vertont wurde. „Schauderhaft“ war der Kommentar des einzigen deutschen Weltmeisters im Schwergewicht. Er meinte seinen Gesang. Wenn man bei dem Lied vom Boxerherzen überhaupt von Gesang sprechen kann. Denn was da von Musik unterlegt aus den Lautsprechern kommt, ist mit „rhythmischem Sprechen eines holpernden Reimtextes“ vielleicht am ehesten zu umschreiben: „Und schlägt einmal sein Herz für eine Frau / stürmisch und laut: / Das Herz eines Boxers muss alles vergessen, / sonst schlägt ihn der Nächste knockout“. Das dürfte Max Schmeling spätestens im folgenden Jahr 1931 schon vergessen haben, denn da traf er auf eine gewisse Anni Ondra, eine tschechische Film-Diva, die er 1933 heiratete und die nicht nur ihre Karriere für ihn opferte, sondern ihm auch bis zu ihrem Tod 1981 die Treue hielt. Dass auch Max Schmeling mehrere Talente in sich vereinte, bewies er mit einer erfolgreichen Zweit-Karriere als Unternehmer in der Getränkebranche. Gesungen aber hat Schmeling – außerhalb der heimischen Badewanne – wohl nicht mehr. heb


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