Nürtingen

Alte Handwerkskunst

28.08.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Mit Spielkarten ist die Hansestadt Stralsund traditionell eng verbunden. Schon 1765 gründete ein gewisser Johann Kaspar Kern mit Genehmigung der schwedischen Behörden dort eine Spielkartendruckerei. Vererbt oder verkauft, konkurrierend mit anderen Kartenmachern und verlegt an verschiedene Standorte innerhalb des Stadtgebiets wurden in Stralsund durchgängig bis 1931 Spielkarten produziert. Danach ging die Fertigung ins thüringische Altenburg und nach 1945 nach Leinfelden bei Stuttgart. Stralsund war lange Zeit außen vor. Bis vor Kurzem. Vor ungefähr einem Jahr haben Mitarbeiter der Stralsunder Jugendkunstschule begonnen, mit Hilfe von Sponsoren und öffentlichen Geldern in einem alten Speicher die nötigen Utensilien und Gerätschaften unterzubringen, um die Kartenspielfertigung wieder in Gang zu setzen. Mittlerweile ist die Musterdruckerei eröffnet und es macht den Kindern und Jugendlichen riesigen Spaß, nicht nur zusehen zu können, wie so ein Kartenspiel entsteht, sondern selbst dabei Hand anzulegen. Unter der sachkundigen Anleitung des Dozenten- und Betreuerteams können die jungen Teilnehmer schon beim Entwurf neuer Kartenspiele ihre Phantasie einbringen, ihre Kreativität beim Gestalten der dazu passenden Bilder ausleben und beim Drucken auf alte Handwerkskunst zugehen, die auch den guten alten Bleisatz noch vermittelt. Als neulich zwei Nürtinger Urlauber durch die nächtliche Altstadt flanierten, war in einem alten Fabrikgebäude noch Licht und durch ein Fenster entfaltete sich vor ihren Augen die ganze Pracht. Uralte Setzkästen standen neben einer ebenfalls antiken Handabzugspresse. Daneben gar ein Heidelberger Tiegel, der seine hundert Jahre gewiss auf dem Druckstock hat. Nur Kinder waren um diese Zeit keine mehr da, aber das ist ja auch ganz in Ordnung, so kurz vor Mitternacht, oder?

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