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Ein Zitat aus "Vielleicht ein Narr wie ich"

05.08.2006 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein Zitat aus Vielleicht ein Narr wie ich

Das beschädigte Kind, das sich immer wieder zurückziehen und wiederfinden mußte, ist wie ein Kern in mir. Ein allmählich sehr fester Kern. Und wenn ich heute zum Beispiel Bücher für Kinder schreibe, dann schreibt nicht nur der alte Härtling, sondern meine Schreibhand wird auch geführt von dem Jungen, dessen Stimme ich im Kopf habe, dessen Bewegungen in mir zappeln. Der aufsässig ist, mißtrauisch, oft allein, den man auch immer wieder an die Hand nehmen muß. Aber dessen Aufsässigkeit ich auch wieder brauche, die sich mir überträgt, von der ich zehre. Es ist ein Junktim, ein unauflösbares Junktim. Und je älter ich werde, umso spürbarer ist das Kind in mir. Je spürbarer es wird, desto mehr Lebendigkeit vermittelt es auch. Ich habe das Kind schon ein paarmal an die Hand genommen, in Chemnitz, in Hartmannsdorf, auch in Olmütz. Und jedesmal passierte etwas, das mir eher gut und wohl tat: das Kind war putzlebendig und sehr neugierig. Gleichzeitig ist dieses Kind ob all seiner Erfahrungen auch ein Fremder geblieben. Und meine Zuneigung zu denen, die unterwegs sind, und zu denen, die gejagt werden, verlassen und in die Ecken gedrängt werden, meine Zuneigung zu denen ist eine Kinderzuneigung, die nicht aufzuheben ist, die bleibt.

Peter Härtling, 1994


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