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Um Tausende betrogen

08.01.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Betrügerbanden nutzen Adressen zahlungskräftiger Käufer

KIRCHHEIM (lp). Wegen des Verdachts des bandenmäßigen Betrugs wird gegen eine aus Nordrhein-Westfalen stammende 61 Jahre alte Frau und deren noch unbekannte Mittäter ermittelt. Am Dienstag meldete sich ein unbekannter Mann bei einer 71 Jahre alten Frau aus Kirchheim-Jesingen, die im November in der Türkei einen hochwertigen Teppich erworben hatte, und bat die Kirchheimerin um finanzielle Unterstützung bei der Auslösung eines Containers mit Teppichen im Wert von mehreren Millionen Euro. Als Sicherheit für die ausgelegte Summe wurden der Frau weitere hochwertige Teppiche angeboten. Nachdem sie hilfsbereit mehrere Tausend Euro bei der Bank abgehoben hatte, brachten zwei Frauen, darunter die später festgenommene 61-Jährige, zwei Tragetaschen mit Teppichen in die Wohnung in Kirchheim, und die arglose Kirchheimerin übergab einen fünfstelligen Betrag.

Der unbekannte Mann meldete sich erneut und bat um eine noch höhere Summe. Die 61-Jährige kam am Nachmittag ein zweites Mal in die Wohnung, um gemeinsam mit der Kirchheimerin zur Bank zu fahren. Zum Glück wurde die Kundenberaterin des Kreditinstituts skeptisch und verständigte die Polizei. Als diese eintraf, flüchtete die 61-Jährige, die vor der Bank im Pkw der Kirchheimerin gewartet hatte. Bei der polizeilichen Fahndung unter Mitwirkung eines Hubschraubers wurde die Frau in Jesingen entdeckt und vorläufig festgenommen. Den am Vormittag ausgehändigten Geldbetrag hatte sie nicht mehr bei sich, sie machte keine Angaben zu Sache.

Seit einiger Zeit, teilt die Polizei mit, sind in Europa organisierte Tätergruppen unterwegs, die sich in ausländischen Teppichknüpfereien die Adressen solventer Kunden besorgen. Sie kontaktieren die arglosen Opfer meist telefonisch noch Jahre nach dem Teppichkauf und erkundigen sich über die Zufriedenheit mit dem gekauften Produkt, um auf diese Weise das Vertrauen ihrer Gesprächspartner zu erlangen. Die wortgewandten Anrufer erzählen beispielsweise von zurückgehaltenen Teppichlieferungen und von aufzubringenden Kautionen, die beim Zoll zur Wiedererlangung ihrer Teppiche zu hinterlegen seien. Die Forderungen sind zuweilen enorm und machen meist einen fünfstelligen Eurobetrag aus. Für ein kurzfristiges Darlehen versprechen sie hohe Renditen. Kurz nach dem Telefonat erhalten einwilligende Opfer Besuch von einem der Täter, der das Geld in Empfang nimmt. Als Pfand bleiben Teppiche minderer Qualität zurück. Die Betrüger stellen sich genau auf die Psyche ihrer Opfer ein. Sie versuchen, deren Vertrauen zu erlangen und bei der Geldforderung Mitleid zu erwecken, oder sie schüchtern die Opfer durch besondere Aggressivität ein.

Die Polizei rät, Telefonate, in denen ein Darlehen gefordert wird, sofort abzubrechen und keine Unbekannten ins Haus oder die Wohnung zu lassen. Die Telefonnummer des Anrufers oder das Autokennzeichen eines vermutlichen Täterfahrzeugs sollte man notieren und, wenn gefahrlos möglich, sich das Aussehen verdächtiger Personen einprägen. In allen Fällen sollte umgehend Anzeige bei der Polizei erstattet werden.

Content der Polizeipräsidien, übermittelt durch news aktuell.

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