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Beim Nürtinger Arbeitskreis Leben werden neun neue Krisenbegleiter ausgebildet

17.01.2022, Von Lutz Selle — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Licht der Hoffnung: Beim Nürtinger Arbeitskreis Leben (AKL) hat endlich die Ausbildung von Ehrenamtlichen starten können. Nach 14 Einheiten sind die Neuen im Idealfall ab Oktober einsatzbereit. Unter Corona-Bedingungen gibt es weniger Begleitungen.

In den Büroräumen des Arbeitskreises Leben in Nürtingen haben AKL-Geschäftsführerin Alena Rögele (links) und Gabriele Alberth über den Stand der Krisenbegleiter-Ausbildung informiert.  Foto: Just
In den Büroräumen des Arbeitskreises Leben in Nürtingen haben AKL-Geschäftsführerin Alena Rögele (links) und Gabriele Alberth über den Stand der Krisenbegleiter-Ausbildung informiert. Foto: Just

NÜRTINGEN. Bereits in der Saison 2019/2020 der Weihnachtsspendenaktion „Licht der Hoffnung“ der Nürtinger und Wendlinger Zeitung wurde unter anderem für ein Projekt des Arbeitskreises Leben (AKL) gesammelt, der jeweils über eine Beratungsstelle in der Nürtinger Bahnhofstraße und eine in Kirchheim/Teck verfügt. In den AKL-Beratungsstellen stehen insgesamt vier hauptamtliche Mitarbeiterinnen als Ansprechpartnerinnen für Menschen in schweren Lebenskrisen sowie bei Suizidgefahr zur Verfügung. Bei länger anhaltenden Krisen können die Mitarbeiterinnen den Kontakt zu ehrenamtlichen Krisenbegleiterinnen oder Krisenbegleitern vermitteln. Das sind engagierte Bürger, die der betroffenen Person in der Zeit der Krise als zuverlässiger Weggefährte zur Seite stehen und sie auf dem Weg aus der Krise begleiten. Mit den Krisenbegleitern können sich die Betroffenen regelmäßig treffen und ausführlich über ihre Probleme sprechen.

Bis zu 30 verschiedene ehrenamtliche Krisenbegleiter hat der AKL vor der Corona-Pandemie eingesetzt, die sich jeweils langfristig nur um eine Person kümmern. Schon im Jahr 2020 war der Start einer neuen Basisgruppe vorgesehen, um nach einer knapp einjährigen Ausbildungszeit neue ehrenamtliche Krisenbegleiter einsetzen zu können. Die Finanzierung der Krisenbegleiter-Ausbildung war durch Spendengelder von „Licht der Hoffnung“ bereits abgesichert. Dann jedoch kam das Corona-Virus dazwischen und bremste den AKL aus. Der Start der Ausbildung musste mehrmals verschoben werden. Nun hat es endlich geklappt. Am 27. November kamen sechs Damen und drei Herren zur ersten Blockveranstaltung zusammen, nachdem sie im vergangenen Sommer bereits zwei Informationsveranstaltungen absolviert hatten.

Dieser Tage stand schon der dritte Termin für die Neuen auf dem Programm. Und wegen Corona läuft alles etwas anders ab als gewohnt. „Bislang war die neue Basisgruppe ausschließlich online aktiv“, erzählt Gabriele Alberth. Die Diplompädagogin ist seit vielen Jahren in den AKL-Beratungsstellen tätig. „Bei den aktuellen Gegebenheiten ist eine Präsenzveranstaltung nicht zu verantworten. Es hat aber gut funktioniert.“ Die neun „Auszubildenden“ sind zwischen Mitte 30 und Anfang 70, teilweise beruflich aktiv, teilweise bereits in Rente. „Ich bin zufrieden mit der Mischung“, stellt AKL-Geschäftsführerin Alena Rögele fest. Denn unter den AKL-Klienten gebe es auch verschiedene Wünsche. Der eine würde sagen „Ein Krisenbegleiter in meinem Alter wäre super“, ein anderer würde einen Begleiter im Alter seiner Eltern bevorzugen. „Wir haben viel Wert auf die Auswahl der Teilnehmenden gelegt, denn es ist eine große Verantwortung, die wir den Ehrenamtlichen geben“, sagt Gabriele Alberth. Zudem sei auf eine gute örtliche Verteilung der Krisenbegleiter im Landkreis geachtet worden.

Die künftigen Krisenbegleiter haben bereits gelernt, wie sie mit der Person, die ihnen später einmal zugeteilt wird, am besten sprechen sollen, damit sich diese auch im Gespräch wohlfühlt. Zudem beschäftigte sich die Gruppe auf theoretische Weise mit psychischen Krankheiten wie Depressionen sowie Suizidalität. Auch einige externe Referenten werden im Laufe der kommenden Monate mit ihrem Wissen die Fortbildung bereichern. Nach 14 Einheiten soll die Ausbildung Anfang Oktober beendet sein und die neun neuen Krisenbegleiter sind einsatzbereit.

Das kommt auch zur rechten Zeit, denn von den 30 bisherigen Krisenbegleitern hat die Hälfte eine Pause eingelegt. „Manche konnten sich nicht vorstellen, unter Corona-Bedingungen eine Begleitung zu übernehmen“, erzählt Gabriele Alberth. Alena Rögele fügt hinzu: „Wir haben auch eine Weile keine neue Begleitung mehr vermittelt, weil das ja auch Kontakte sind. Wir haben die Leute dann in unserer Beratung behalten oder sie zu einer professionellen Unterstützung weitervermittelt.“

Die Auslöser von schweren Lebenskrisen sind vielfältig: Beziehungskonflikte, Trennungen, Arbeitslosigkeit, finanzielle Schwierigkeiten, Krankheiten oder Tod eines Angehörigen zum Beispiel. Gabriele Alberth ist froh, dass deutschlandweit die Suizidzahlen in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind. „Wir hoffen, das liegt auch an der Prävention.“

Licht der Hoffnung