Weihnachtsgrüße

Marmorkuchen versus Carrot Cake

24.12.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Lara Berroth und Diego Lombetti backen und schmecken sich in England durch die Adventszeit

Es war ein ereignisreiches Jahr: Brexit war nur eine der vielen Überraschungen. Trotz des vielen Aufhebens in den Medien bemerken wir dennoch keinen Unterschied im täglichen Leben. Die Androhung eines Preisanstiegs für den geliebten Tee und des entweder geliebten oder verhassten Marmites, einem englischen Brotaufstrich aus gemüsebrühewürfelartiger Substanz, hatte nur kurzfristig die Gemüter erhitzt und wurde dann auch vorerst abgewendet.

Im Büro von Lara Berroth (Dritte von rechts) sorgt der Kuchenwettbewerb für Gesprächsstoff – und leckere Momente.

Der Kuchenwettbewerb im Büro schlägt dann doch höhere und länger anhaltende Wellen! Jede Woche bis hin zu Weihnachten bringt ein Kollege einen Kuchen mit. Am Ende wird dann in der Woche vor Weihnachten der beste Kuchen gewählt. Hier zeichnet sich der unterschiedliche Geschmack von Engländern und Deutschen ganz stark heraus. Tagelange erhitzte Diskussionen über den besten Karottenkuchen – ob nun mit Walnüssen oder doch ohne – finden statt. Als nur eine von zwei Frauen im Team habe ich es leider schon geschafft, mich mit einem Nusszopf auf den letzten Tabellenplatz zu setzen. Zuerst war die Begeisterung für „German Cake“, also deutschen Kuchen, sehr groß, bis ich beichten musste, dass dieser Kuchen kein Christstollen war, sondern wie eine Brioche schön fluffig hätte sein sollen. Das Backdebakel kam zustande, da ich einen glutenfreien Kuchen gebacken hatte, ohne zu wissen, dass das glutenfreie Mehl die Hefe nicht wachsen lässt. Ein anderer deutscher Kuchen, Rotweinkuchen, kam dagegen sehr gut an und ist in den Favoriten. Allerdings musste der Bäcker dazu dann die Frage einer neugierigen 13-Jährigen beantworten, warum benutze man denn Rotwein, um den Kuchen saftig zu machen und nicht Wasser? Dazu gab es die immer passende Antwort für Kinderfragen „God bless“ („Gott behüte dich“).

Anders erging es einem sehr guten Marmorkuchen eines deutschen Kollegen, der etwas argwöhnisch beäugt wurde und dann den anderen Engländern angeboten wurde mit den Worten „Das muss so trocken sein“ und „Ein sogenannter Sandkuchen, scheinbar je trockener desto besser“. Richtig lecker sind die englischen Kuchen aber schon: Sie sind sehr schwer, süß und auch sehr nass, und vor allem: Ein zentimeterdicker Zuckerguss darf nie fehlen! Deswegen sind auch im Wettbewerb ganz vorne dabei: Karottenkuchen mit Walnüssen („Carrot Cake“, mit umstrittenen Nüssen), Zitronenkuchen mit viel Zuckerguss („Lemon Drizzle“) und Malteser Kuchen (Malteser- und Mars-Schokolade mit Puderzucker verschmolzen, vermischt und dann in Stücke gebrochen).

Natürlich gibt es eine immer noch anhaltende Diskussion, ob der Malteser Kuchen nicht etwa disqualifiziert werden sollte, denn ein richtiger Kuchen sei es ja nicht, oder? Aufgrund der hohen Beliebtheit ist er aber momentan noch dabei.

Hoffentlich hat der eine oder andere jetzt Lust bekommen, einen englischen Kuchen zu backen, um den Unterschied selbst zu probieren.

Wir freuen uns, euch alle bald wiederzusehen. Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

 

Eure Lara Berroth und Diego Lombetti

Weihnachtsgrüße aus aller Welt