Weihnachtsgrüße

Die Vorweihnachtszeit in Kanada ist so romantisch wie im Film

24.12.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jasmin Grandy genießt die Stimmung im kanadischen Sault Ste. Marie und kann es kaum erwarten, die Skipisten zu erobern

Der Winter ist bei Jasmin Grandy schon angekommen: Weiße Weihnachten gibt es in Sault Ste. Marie unter Garantie.

Anfang November fielen hier in Kanadas Provinz Ontario die ersten dicken weißen Flocken. Autos scheiterten bergaufwärts und kehrten auf halbem Weg um. Einen so frühen und heftigen Wintereinbruch ist man selbst hier nicht gewohnt. Nach drei Tagen Schneefall verengten sich zweispurige Straßen, dank der ein Meter hohen Schneebänke, zu einspurigen Fahrbahnen und schnell tauschte man Halbschuhe gegen warme Winterstiefel. Mit der Zeit leuchteten in immer mehr Fenstern die Weihnachtslichter und in dem großen Einkaufszentrum ertönt seit Mitte November Weihnachtsmusik. Es ist unverkennbar: Weihnachten ist nah! Und mittendrin bin ich. Seit August bin ich nun schon hier in Sault Ste. Marie, einer Stadt mit 75 000 Einwohnern und entdecke Land und Leute.

Bei der Santa-Claus-Parade ist der Wagen des Nikolaus der Höhepunkt.

Nach drei Tagen Entdeckungstour in Québecs Hauptstadt Montréal, der französischen Provinz Kanadas, ging es gen Westen in Richtung Sault Ste. Marie. Dort angekommen, wurde umgepackt und mit vier Kanus ging es raus aus der Stadt und gen Norden an einen der unzähligen Seen, die durch Dutzende Arme miteinander verbunden sind. Im Busch verbrachten wir eine tolle Woche auf einer Insel mit Lagerfeuer, Sandstrand und Streifzügen durch die Wildnis, immer auf den Spuren von Bären und Elchen. Zurück in der Zivilisation färbten sich bald die Blätter in allen Rottönen – der Indian Summer war unglaublich! Jeder Baum hatte Blätter in einer anderen Farbe und der Boden war ebenfalls über und über in Rot getaucht. Die Ahornblätter, eines der Markenzeichen Kanadas, machten ihrem Land alle Ehre. Unterwegs in der Natur trifft man nur selten Leute, zu groß ist das zweitgrößte Land der Welt, in dem auf einem Quadratkilometer im Schnitt nur 3,4 Leute wohnen.

Jasmin Grandy

Und dann, im Oktober, begann mein Job in Kanadas berühmtem Coffee-Shop „Tim Hortons“. Meistens arbeite ich dort fünf Tage die Woche und wir haben immer viel zu tun. Hier ist es nämlich üblich, sich manchmal sogar mehrmals am Tag einen Kaffee mitzunehmen. Viele Geschäftsleute holen sich bei uns ihr Frühstück und Mittagessen und so haben wir morgens und mittags einen riesigen Andrang. Und mit dem Oktober kam auch Thanksgiving, das große Truthahnessen. Auf dem Tisch standen unzählige Köstlichkeiten wie Preiselbeeren, Rosenkohl, Süßkartoffeln und Rote Beete, aber der gefüllte Truthahn war unübersehbar. Man verbrachte den Tag mit der Familie und saß gemütlich beisammen. Nachdem die letzten warmen Oktobertage vergangen waren, wartet jetzt alles auf Weihnachten und den Beginn der Skisaison. Denn etwas außerhalb der Stadt befindet sich ein großes Skigebiet und ich kann es kaum erwarten, endlich auf die Piste zu können. Während tagsüber der Himmel von Wolken und die Sicht von Schnee bedeckt sind, erhellen nachts unzählige Lichter die Stadt. Türen, Fenster und Geländer sind beleuchtet und die Vorgärten zieren aufblasbare Rentiere, Schlitten, Sterne und Weihnachtsmänner in allen Größen und Farben.

Nur ein paar Straßen von meinem Haus entfernt findet man das wohl am meisten beleuchtete Haus der Provinz. Jeden Abend stehen mehrere Autos am Straßenrand und bewundern das Spektakel, denn hier blinkt und glitzert es im Takt. Eine spezielle Radiofrequenz wurde nur für diesen Haushalt eingerichtet und er erfüllt mit einer unglaublichen Lichtershow, passend zur Musik, alle europäischen Vorstellungen von Nordamerikas Weihnachtszauber.

Mit der Weihnachtszeit begann natürlich auch die Suche nach passenden Geschenken. Am Tag der „Moonlight Magic“ hatten alle Läden bis zehn Uhr geöffnet. Hierfür wurde die komplette Hauptstraße der Stadt gesperrt und über zwei Kilometer standen große Laternen in der Mitte der Straße. Viele der Läden nahmen am großen „Heiße-Schokoladen-Wettbewerb“ teil und jeder konnte sich durch die unterschiedlichsten heißen Schokoladen probieren und entscheiden, wer den Titel verdient hatte. Schokoladen mit Ahornsirupgeschmack, mit kleinen Marshmallows oder Kürbisgeschmack waren bei dichtem Schneefall eine willkommene Aufwärmung und ohne das Licht der Straßenlaternen herrschte eine ganz besondere Atmosphäre. Anfang Dezember war die große Santa-Claus-Parade.

Fast jeder Verein, jedes Unternehmen und sogar manche Ämter der Stadt haben, wie bei einem Faschingsumzug, einen Wagen weihnachtlich geschmückt und Mitarbeiter, Kinder und Mitglieder fuhren voller Stolz winkend durch die Stadt. Den Schluss bildete der größte Wagen, auf dem Santa Claus mitfuhr und der für alle Kinder das Highlight des Umzuges war.

Das ist nur ein kleiner Teil der Vorweihnachtszeit hier, aber es ist genauso romantisch wie es in all den amerikanischen Filmen dargestellt wird und ich genieße die Stimmung sehr.

Ich freue mich auf ein etwas anderes Weihnachten und bin gespannt auf einen richtigen Winter hier in Kanada und alles, was danach noch kommt.

Ich wünsche allen daheim ein glückliches Fest und hoffentlich weiße Weihnachten, so wie hier in Kanada!

 

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