Leserbriefe

Nürtingen mauert sich ein

21.10.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sabine Seifert-Werner, Nürtingen. Zum Artikel „Mehr Neckar für die Bürger übrig lassen“, vom 7. Oktober. Es ist nicht zu fassen – andere Städte, die an Flüssen liegen wie zum Beispiel Horb, machen Uferbereiche für ihre Bürger wieder zugänglich und erlebbar und was planen die Nürtinger? Betonburgen und Mauern!

Nachdem sich die Nürtinger mit dem Uferbereich bei der Fischtreppe ein wirklich schönes „Plätzle“ geleistet haben, gab nun die Mehrheit der Stadträte ihre Zustimmung für eine überdimensionierte Bebauung auf beiden Uferseiten. Und als ob das nicht reicht, werden wir demnächst auch noch eingemauert. All dies erfuhren die Zuhörer bei der letzten Gemeinderatssitzung. Dies kostet uns Gelder in mehrfacher Millionenhöhe, weil den Planern von Hochwasserschutzmaßnahmen nichts Besseres einfällt als Mauern.

Die Wortwahl der Planer, dass diese Mauern mit (nichtssagenden) Zitattafeln, abschnittsweisen Mauerverkleidungen, an denen der Beton dann verdeckt sein würde und Sitzgelegenheiten „den Bürgern besser verkauft werden können“, zeigt deutlich, was sie von uns Nürtingern halten.

Hauptsache „man macht die Kohle!“ – die schlucken ja alles und glauben auch noch, sie hätten sich als Bürger irgendwo beteiligen können.

Ich möchte als Bürger bei der Vorstellung dieses Projekts im November in der Nürtinger Stadthalle nicht nur abstrakte, sondern realistische Bilder sehen, wie diese Hochwasserschutzbauten den Uferbereich optisch verändern, besser verschandeln werden.

Auch das nächste Thema in dieser Sitzung: Verödung der Nürtinger Innenstadt gab wenig Anlass zur Hoffnung, dass die Nürtinger Stadtverwaltung gute Experten an der Hand hat. Ein Professor, der in seinem fast 40-minütigen Vortrag nur im Nebulösen bleibt und keinen einzigen konkreten Vorschlag zur Verbesserung nennen kann, sollte eigentlich Gemeinderäten und Zuschauern erspart werden.

Aber vielleicht werden Gemeinderäte so auch mürbe gemacht, in Abstimmungen im Sinne der Stadtverwaltung alles durchzuwinken, denn auch ein Gemeinderat will am Abend irgendwann mal nach Hause.

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