Leserbriefe

Die Neuankömmlinge passen sich an

10.03.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Jakob, Neckartenzlingen. Zum Artikel „Biber, Waschbär und Co. kehren zurück“ vom 1. März. Ines Schmidt berichtet unter anderem auch über die Nilgans, sie sich seit Jahren bei uns ausbreitet. Frau Schmidt schreibt: „Zu den Problemfällen gehört auch die Nilgans, die ebenfalls bereits bejagt wird, weil sie wie der Waschbär zu den sogenannten Neozoen gehört. Damit werden gebietsfremde Tiere bezeichnet, deren übermäßige Ausbreitung durch mangelnde natürliche Feinde per Abschuss außerhalb der Schonzeiten eingedämmt werden muss. Nilgänse verhalten sich im Gegenteil zu einheimischen Wasservögeln sehr aggressiv gegenüber ihrem benachbarten Federvieh. Daher wird ihre Verbreitung kritisch gesehen.“

Mit dieser Äußerung ist Frau Schmidt der Meinung jener Kreise zum Opfer gefallen, die schon immer geglaubt haben, der Mensch müsse mit seiner Büchse Ordnung schaffen im Reich der Natur und Arten, die sich angeblich zu stark vermehren, „kurz halten“.

Nun haben wir ja mit Neuzugängen aus der Vogelwelt schon ein bisschen Erfahrung, denn die Nilgans ist ja nur eine der letzten Arten, die nach dem Krieg bei uns eingewandert sind. Die Türkentaube und die Wacholderdrossel waren die ersten, die sich seither bei uns ausgebreitet haben. Vor rund zwanzig Jahren ist die aus dem Mittelmeerraum stammende Weißkopfmöwe bei uns eingewandert. Auch Wacholderdrossel und Weißkopfmöwe sind durch ihre Aggressivität aufgefallen, haben sie aber inzwischen abgelegt. Es scheint, dass die Vögel Strategien entwickeln, wenn sie neue Lebensräume erobern. Von der Wacholderdrossel wurde berichtet, dass sie ihren Kot auf Personen spritze, die ihr zu nahe kamen. Zur Strategie der Wacholderdrossel gehörte auch, dass sie zunächst in großen Kolonien brütete. Ich selbst fand eine Brutkolonie der Wacholderdrossel im oberen Filstal im April 1970 mit Dutzenden von Nestern in einer Pappel-Allee, auf einem Baum bis zu sechs Nester.

Was nun die Aggressivität der Nilgans angeht ist damit zu rechnen, dass sie diese ablegt, sobald sie sich bei uns etabliert hat.

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